5. Juli 2026:

Zebra, Flamingo & Photoshop


Zoos gehörten lange nicht zu den Orten, die ich freiwillig aufsuchte.

Als meine Kinder klein waren, wagte ich zwar einmal einen Ausflug in den Basler Zolli. Viel geblieben ist mir davon nicht – ausser dem bedrückenden Gefühl, dass Elefanten in engen Hallen und Affen hinter Gittern meine Ausflugslust nicht gerade beflügeln. 

Danach folgte eine ziemlich konsequente zoologische Abstinenz. Gut zwanzig Jahre lang.

Dann zogen wir nach Singapur – und dort wurde ich in zoologischer Hinsicht auf eine harte Probe gestellt. Zoos haben in der südostasiatischen Metropole ungefähr den Stellenwert, den bei uns ein Sonntagsausflug auf den Pilatus hat. Familien gingen hin, meine Classmates schwärmten davon, unsere Spinningfreunde sowieso. Night Safari, Bird Paradise, River Wonders – ständig kam jemand begeistert zurück, während ich innerlich noch immer vor den Basler Affengittern stand.

Gebrochen wurde mein Widerstand schliesslich nicht durch neu entdeckte Tierliebe, sondern – wie so oft – durch die Fotografie. Für meine Challenge sollte ich Vögel fotografieren. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich dorthin zu begeben, wo Vögel in grosser Zahl und erfreulich fotogen auftreten: ins Bird Paradise.

Und was soll ich sagen? Ich war begeistert.

Unter riesigen Netzen flogen mir Vögel um die Ohren, Flamingos schnatterten in beachtlicher Lautstärke, und im Pinguinbereich blieb ich deutlich länger stehen als geplant. Hinter der Glasscheibe beobachtete ich ihren Watschelgang, ein Stock tiefer ihre eleganten Tauchmanöver, und obwohl die Eislandschaft zweifellos nicht direkt aus der Antarktis importiert worden war, kam ich aus dem Staunen kaum mehr heraus. Spätestens dort war klar: Aus der Zoovermeiderin war, zumindest auf Zeit, eine begeisterte Zoobesucherin geworden.

Zurück in der Schweiz erzählte ich von meiner zoologischen Kehrtwende – und erhielt postwendend den Rat, es nun doch bitte endlich mit dem Zoo Zürich zu versuchen. Vor allem die Masoala-Halle wurde mir wärmstens empfohlen. Also pilgerte ich Anfang Juni voller Vorfreude nach Zürich.

Ganz ehrlich: Ein bisschen ernüchtert war ich schon.

In der Masoala-Halle stand ich nicht mitten im Tierparadies, sondern zunächst einmal mitten in der Suche nach Tieren. Auch die Pinguine mit ihrer dekorativen Eislandschaft lösten bei mir weniger Polarbegeisterung als ein leises Mitleid aus. Und als ich schliesslich vor dem 
 stand, war es wieder da – dieses alte Zoogefühl. Ein leises Störgeräusch zwischen Staunen und Mitleid, das sich nicht ganz abschütteln liess.

Trotzdem genoss ich den Besuch.

Die afrikanische Savanne gefiel mir, der Streichelzoo mit den Ziegen ebenso, und auch das kulinarische Angebot erinnerte mich verdächtig stark an unseren Singapur-Zoo. Natürlich hatte ich die Kamera dabei. Durch ihre Linse beobachtete ich Zebras, Elefanten, Nashörner und Flamingos, drückte fleissig auf den Auslöser und war vor Ort durchaus zufrieden mit meiner fotografischen Ausbeute.

Bis ich zu Hause die Bilder sichtete.

Denn plötzlich waren sie überall: Gitterstäbe, Netze, Glasscheiben. Statt majestätischer Tiere sah ich auf vielen Bildern vor allem das Drumherum – und genau das wollte ich eigentlich nicht sehen. Hinter dem Zebra stand ein Zaunpfahl, der Affe sass noch immer hinter Gittern, und selbst der Flamingo wirkte, als sei er in einer etwas trostlosen Wohnsiedlung gelandet.

Da traf es sich gut, dass ich kurz zuvor eine Weiterbildung in Photoshop absolviert hatte.

Also entfernte ich Gitter, liess Glasscheiben verschwinden und gönnte einigen Tieren eine ziemlich cleane Studioversion. Nicht das Tier wurde verändert – nur das Drumherum.

Fake?

Ein bisschen schon. Aber das Tier bleibt Tier – und steht endlich dort, wo es hingehört: im Zentrum. 


Zoos were never places I was particularly drawn to.

When my children were small, I did venture to the Basel Zoo once. What stayed with me was not so much the family outing itself, but the rather uncomfortable feeling that elephants in cramped indoor spaces and monkeys behind bars do very little to spark my enthusiasm for zoos. 

After that, I entered a fairly consistent period of zoo abstinence. It lasted a good twenty years.

Then we moved to Singapore, where zoos seemed to hold roughly the same status as a Sunday trip up Mount Pilatus does in Switzerland. Families went, my classmates raved about them, and our spinning friends did too. Night Safari, Bird Paradise, River Wonders – people returned from these outings glowing with excitement, while I was still mentally standing in front of those monkey cages in Basel.


In the end, it was not a sudden surge of affection for zoos that changed my mind, but photography. For one of my challenge themes, I had to photograph birds. So off I went to the one place where birds appear in large numbers and are usually kind enough to sit still long enough to be photographed: Bird Paradise.

And I loved it.

Birds flew past me under huge nets, flamingos chattered away with impressive confidence, and in the penguin section I lingered much longer than planned. I watched them waddling behind the glass and, one level below, gliding through the water with surprising elegance. The icy landscape may not have come straight from Antarctica, but it was generous, well designed and strangely mesmerising. Somewhere between flamingos and penguins, my long-standing resistance began to crumble. The zoo avoider had, at least temporarily, become an enthusiastic zoo visitor.


Back in Switzerland, I naturally reported this unexpected conversion to anyone willing to listen, and was promptly told that I absolutely had to visit Zurich Zoo. Especially the Masoala Hall. So in early June, full of curiosity and not entirely modest expectations, I made my way to Zurich.

To be honest, I was a little underwhelmed.

In the Masoala Hall, I found myself less in the middle of a tropical paradise than in the middle of searching for animals. The penguins, with their carefully staged icy scenery, also stirred more pity than polar excitement. And when I eventually stood in front of the monkey enclosure, there it was again: that old zoo feeling. A faint disturbance somewhere between wonder and discomfort, impossible to shake off completely.

And yet, I enjoyed the visit.

I liked the African savannah, the petting zoo with its goats, and even the food offering reminded me suspiciously of our Singapore zoo. Naturally, I had my camera with me. Through the lens I watched zebras, elephants, rhinos and flamingos, happily pressing the shutter and feeling quite pleased with my photographic haul.

Until I got home and looked at the pictures. Because suddenly they were everywhere: bars, nets, panes of glass. Instead of majestic animals, I kept seeing the setting around them – and that was exactly what I did not want to see. Behind the zebra stood a fence post, the monkey was still behind bars, and even the flamingo looked as if it had somehow ended up in a rather dreary housing estate.

Luckily, I had recently taken a Photoshop course.

So I removed bars, erased reflections and gave a few animals a rather clean studio version of themselves. The animals stayed exactly as they were; only the surroundings changed.

Fake?

A little, perhaps. But the animal remained an animal – and finally stood where it belonged: at the centre. 

7. Juni 2026:

Hinter dem Horizont - Beyond the Horizon

 


Aktuell zieht es mich wieder in die Berge. Seit der Schnee in den höheren Lagen geschmolzen ist, beginnt es bei schönem Wetter in meinen Füssen zu kribbeln. Dann schnüre ich frühmorgens die Wanderschuhe und mache mich auf den Weg – vorzugsweise Richtung Pilatus.

Unterwegs ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich einen alten Ohrwurm summe. Einen Song, den ich 1986 rauf und runter gehört habe: Udo Lindenbergs «Hinter dem Horizont geht's weiter».  Weshalb mir ausgerechnet dieses Lied immer wieder in den Sinn kommt, weiss ich nicht. Vielleicht einfach so. 

Als Kind war das ganz einfach erklärt. Wer im Tal aufwächst, freut sich über jeden Ort, an dem der Blick weiter reicht als bis zur nächsten Bergwand. Und auch heute faszinieren mich die endlosen Horizonte. Zu sehen, wie die Sonne nicht hinter einer Bergkette verschwindet, sondern scheinbar direkt in der Erde versinkt.

Kein Wunder also, zieht es uns momentan immer wieder Richtung Westen. Seit wir aus Singapur zurück sind, hat es uns Frankreich angetan. Dort entdecken wir neben Endloshorizonten Gegenden, denen wir früher kaum Beachtung geschenkt haben. Wir fahren über Landstrassen, besuchen Orte, von denen wir noch nie gehört haben, und staunen darüber, wie viel es selbst in vermeintlich bekannten Regionen noch zu entdecken gibt.

Neulich fragte mich eine Freundin, weshalb wir heute so oft nach Frankreich reisen. Eine gute Frage. Schliesslich sind wir früher meist Richtung Süden gefahren. Nach vielen Reisen in dieselbe Richtung stellt sich irgendwann das Gefühl ein, man kenne ein Land. Natürlich weiss ich, dass das Unsinn ist. Vermutlich lässt sich weder ein Land noch ein Mensch jemals ganz kennenlernen.

Und vielleicht ist es genau das, was uns immer wieder antreibt: dieses Gefühl, dass hinter der nächsten Kurve noch etwas anderes wartet als das, was man schon zu kennen glaubt.

Über Auffahrt standen wir in der Camargue auf einem Salzberg bei Aigues-Mortes. Mitten in einer Landschaft, die flacher kaum sein könnte. Weit und breit kein Berg. Und trotzdem musste ich wieder nach oben. Typisch ich.

Ob das Heimweh ist oder einfach die Neugier, weiss ich nicht. Wahrscheinlich spielt das auch keine Rolle.

Hinter dem Horizont geht's weiter.




Lately, I find myself drawn back to the mountains. As the snow at higher altitudes melts, there’s this familiar restlessness in my feet when the weather is fine. That’s when I lace up my hiking boots early in the morning and set off – preferably towards Mount Pilatus.

On the way, I sometimes catch myself humming an old earworm. A song I listened to on repeat in 1986: Udo Lindenberg’s “Hinter dem Horizont geht’s weiter”. I don’t really know why this song keeps coming back to me. Maybe just like that.

As a child, it was easy to explain. If you grow up in a valley, you appreciate every place where your view stretches further than the next mountain wall. And even today, I’m still fascinated by endless horizons. Watching the sun not disappear behind a mountain ridge, but instead seem to sink directly into the earth.

No wonder, then, that we keep heading west these days. Since returning from Singapore, France has captured us. There we discover, alongside endless horizons, regions we once barely paid attention to. We drive along country roads, visit places we’ve never heard of before, and are constantly surprised by how much there still is to discover, even in regions we think we already know.

Recently, a friend asked me why we travel to France so often these days. A good question. After all, we used to head south most of the time. After many journeys in the same direction, you eventually get the feeling you know a country. Of course, I know that’s nonsense. You can probably never fully get to know either a country or a person. And perhaps that is exactly what keeps driving us on: this feeling that behind the next curve there might be something different from what we think we already know.

During the Ascension weekend, we stood on a salt mound in the Camargue near Aigues-Mortes. In a landscape that could hardly be flatter. No mountains anywhere in sight. And yet I still had to go up. Typical me.

Whether it’s homesickness or simply curiosity, I don’t know. It probably doesn’t really matter.

Beyond the horizon, it goes on.

3. Mai 2026:

   VOM ACHTEN STOCK AUF DIE FELDER

FROM THE EIGHTH FLOOR DOWN TO THE FIELDS

Das Wetter meint es gut mit uns – und gerade deshalb ist die Sehnsucht nach Singapur fürs Erste verflogen. Im Moment reicht eine Bahnfahrt von Bern nach Luzern völlig aus, um in mir visuelle Höchstgefühle auszulösen.
Vielleicht kann mir jemand nachfühlen: Kaum sitzt man im Zug, öffnet sich neben der Bahnlinie eine eigene kleine Welt. Felder breiten sich in klaren Linien und Formen aus – fast geometrisch, fast zu ordentlich, um zufällig zu sein. Gelb, Grün und Braun liegen nebeneinander wie sorgfältig ausgelegte Flächen, geordnet und doch lebendig.
Dazwischen: Raum. Keine durchgehende Bebauung, sondern Lücken, die dem Auge guttun. Luft. Weite. Ein fast ungewohntes Gefühl.

Es ist dieses Zusammenspiel aus Natur und Ordnung, das man leicht übersieht, wenn man es täglich vor sich hat.

Und doch ist es alles andere als selbstverständlich. Flächen verschwinden, Höfe geben auf.
Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der eine alte Erinnerung wachruft.

1983 fällt mir ein. Sekundarschule. Unser Lehrer nahm uns mit in eine Ausstellung zur «Zersiedelung der Landschaft». Zehn Fussballfelder pro Tag würden überbaut, hiess es damals. Eine Zahl, die wir ernst nahmen – auch wenn wir sie uns kaum vorstellen konnten.

Heute ist Boden tatsächlich knapp geworden. Und was damals gefordert wurde – mehr in die Höhe zu bauen – wird zunehmend umgesetzt. Nicht aus architektonischem Ehrgeiz, sondern weil es schlicht nötig geworden ist.

Ich profitiere davon – ganz egoistisch betrachtet. Zu Hause geniesse ich die Aussicht aus dem achten Stock. Sie zeigt zwar keine blühenden Felder, dafür das volle Leben: Bewegung, Menschen, Alltag. Manchmal, mit ein bisschen Fantasie, hat das sogar einen Hauch von Grossstadt – nicht ganz wie in Singapur, aber nah dran.

Und die bunten Felder?

Die finde ich zum Glück immer noch. Man muss nur in den Zug steigen.

The weather is treating us well – and precisely for that reason, the longing for Singapore has, for the time being, faded. At the moment, a train ride from Bern to Lucerne is more than enough to trigger visual moments of delight.

Perhaps others can relate: as soon as you sit down on the train, a small world opens up alongside the tracks. Fields unfold in clear lines and shapes – almost geometric, almost too orderly to be accidental. Yellow, green, and brown lie next to each other like carefully arranged surfaces, structured yet alive.

Between them: space. No continuous sprawl, but gaps that are good for the eye. Air. Distance. A feeling that has become almost unusual.

It is this interplay of nature and order that is easy to overlook when you see it every day.

And yet it is anything but self-evident. Land disappears, farms shut down.

Perhaps it is exactly this thought that brings back an old memory.

1983 comes to mind. Secondary school. Our teacher took us to an exhibition on “urban sprawl.” Ten football fields a day, we were told, were being built over. A number we took seriously – even if we could hardly imagine what it meant.

Today, land has indeed become scarce. And what was once demanded – building upwards rather than outwards – is increasingly being implemented. Not out of architectural ambition, but simply because it has become necessary.

I benefit from this – quite selfishly, if I am honest. At home, I enjoy the view from the eighth floor. It does not show blooming fields, but life in full motion: movement, people, everyday activity. Sometimes, with a bit of imagination, it even has a hint of a big city – not quite Singapore, but close enough.

And the colourful fields?

Luckily, I still find them. I just have to take the train.


5. April 2026:

ZWISCHEN KNOSPE UND BLÜTE

BETWEEN BUD AND BLOOM

Der Frühling hat nun auch in der Schweiz Einzug gehalten – wenn auch mit einem kurzen, fast schon trotzig wirkenden winterlichen Nachspiel Ende März. 

Doch inzwischen zeigt sich die Welt wieder von ihrer freundlicheren Seite: bunter, heller, wärmer. Statt monatelangem Grau in Grau dominieren plötzlich eierschalenweiss, vanillegelb, zartrosa, pistaziengrün und pastellblau.

Nach dieser gefühlt endlosen Zeit zwischen Nebel, Nässe und Novemberstimmung fühlt sich das fast ein wenig wie Erlösung an. Der Winterblues verabschiedet sich leise, die Daunenjacken dürfen zurück in den Schrank, und selbst die hartnäckigsten Frostbeulen scheinen langsam aufzutauen.

Denn ja – die dunkle Jahreszeit hat Spuren hinterlassen. Weniger Licht, weniger Energie, mehr Müdigkeit. Ein Zustand, der erstaunlich viele von uns teilen. Vitamin-D-Tröpfchen und Omega-3-Kapseln hin oder her: Gegen echte Sonne gibt es eben doch keinen Ersatz.

Kaum werden die Tage länger und die Temperaturen zweistellig, zieht es mich unweigerlich nach draussen. Mit der Kamera um den Hals – wie könnte es anders sein – mache ich mich auf die Suche nach dem Frühling. 

Es fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue, wie sehr sich die Natur unserem eigenen Rhythmus annähert: Rückzug im Herbst, ein leises Innehalten im Winter – und dann dieses vorsichtige, beinahe zögerliche Aufblühen. Als müsste auch sie sich erst vergewissern, dass es wirklich wieder Zeit ist.

Auf meinen Fototouren verliere ich mich gern im Detail. Durch das Makroobjektiv wird aus einem Tulpenblatt eine Landschaft, aus einer Knospe ein Versprechen, aus einem unscheinbaren Samen eine kleine Sensation. Es sind diese stillen, leicht zu übersehenden Wunder, die mich innehalten lassen – und manchmal auch alles um mich herum vergessen.

Achtsamkeit nennt man das wohl. Ich nenne es: im Gras liegen, die Kamera neben mir, die Sonne im Gesicht – und für einen Moment überzeugt sein, dass genau hier und jetzt eigentlich alles stimmt.

Im Winter war das noch undenkbar. Spätestens wenn sich die ersten Frostbeulen meldeten, siegte die Vernunft über die Leidenschaft, und ich zog mich freiwillig in die warme Stube zurück.

Jetzt liege ich wieder im Gras. Und während ich noch darüber nachdenke, wie achtsam ich gerade bin, summt es plötzlich neben mir.

Die Bienen sind zurück. Sie haben sich den Löwenzahn längst wieder als Spielplatz erobert – geschäftig, unbeirrt, vollkommen im Moment.

Und ich? Mittendrin. Und schon wieder alles vergessen.

 


Spring has finally arrived in Switzerland—though not without a brief, almost defiant winter encore at the end of March.

But by now, the world is showing its kinder side again: more colorful, brighter, warmer. After months of nothing but shades of grey, we’re suddenly surrounded by eggshell white, vanilla yellow, soft pink, pistachio green, and pastel blue.

After what felt like an endless stretch of fog, dampness, and November moods, it almost comes as a kind of relief. The winter blues quietly slip away, down jackets retreat back into the closet, and even the most stubborn chilblains begin to thaw.

Because yes—the darker season leaves its mark. Less light, less energy, more fatigue. A state many of us know all too well. Vitamin D drops and omega-3 capsules aside, there really is no substitute for actual sunlight.

As soon as the days grow noticeably longer and temperatures reach double digits, I find myself drawn outside almost instinctively. Camera around my neck—how could it be otherwise—I set out in search of spring.
What fascinates me every year is how closely nature seems to mirror our own rhythm: retreat in autumn, a quiet pause in winter—and then this careful, almost hesitant blooming, as if it, too, needs to make sure that the time is right.

On my photo walks, I love getting lost in the details. Through the macro lens, a tulip petal becomes a landscape, a bud turns into a promise, and an inconspicuous seed reveals itself as a small sensation. These quiet, easily overlooked wonders are what make me pause—and sometimes forget everything else around me.
I suppose you could call it mindfulness. I call it lying in the grass, camera beside me, the sun on my face—and, for a moment, being convinced that everything is exactly as it should be.

In winter, that would have been unthinkable. As soon as the first chilblains appeared, reason would win over passion, and I’d retreat—willingly—into the warmth of home.

Now I find myself lying in the grass again. And just as I’m reflecting on how mindful I’m being, something starts buzzing beside me.
The bees are back. They’ve long since reclaimed the dandelions as their playground—busy, undistracted, entirely in the moment.
And me? Right in the middle of it. And once again, everything else forgotten.

1. März 2026:

ENNET DES RÖSTIGRABENS

ACROSS THE RÖSTIGABEN  

STÄDTISCHES

URBAN AREAS


Zugegeben: Als Kind war für mich die Schweiz dort, wo man Schweizerdeutsch sprach. Alles andere war Ausland – selbst wenn es auf derselben Landkarte lag.

Doch es war nicht nur die Sprache, die mich verunsicherte. Es waren die Farben, das Licht, vor allem die Gerüche. Zweimal im Jahr reisten wir nach Ascona zum Onkel meines Vaters. Schon die Fahrt dorthin fühlte sich an wie eine lautlose Grenzüberschreitung. Mit jedem Tunnel blieb ein Stück Vertrautheit zurück. Die Häuser leuchteten in warmen Tönen, die Fensterläden wirkten wie gemalt, die Stimmen klangen schnell, melodisch, unverständlich. Selbst das Essen schmeckte anders. In den Gassen lag ein fremdes Tempo, ein anderer Klang, eine Sonne, die nicht meine war.

Auch bei meiner Tante in Yverdon war ich eine Besucherin im eigenen Land. Die Sprache dort war weicher, runder, beinahe zärtlich – und doch verstand ich sie nicht. Der Duft von Käse und Saucisson, vermischt mit Parfüm und Zigarettenrauch, schrieb sich in meine Erinnerung ein, ohne dass ich ihm einen Namen geben konnte. Als Kind suchte ich Halt im Bekannten. Ich klammerte mich an vertraute Wörter wie an ein Geländer. Alles andere war Unsicherheit.

Ein halbes Jahrhundert später ist es ausgerechnet diese Fremdheit, die mich anzieht. Ich sammle sie wie andere Souvenirs. Seit unserer Rückkehr aus Singapur staune ich noch bewusster darüber, wie viele Welten in dieser kleinen Schweiz verborgen liegen. Jenseits des Gotthards oder hinter dem Röstigraben, öffnet sich ein anderes Land – und doch ist es dasselbe. Andere Farben, andere Klänge, andere Gesichter. Und plötzlich fühlt sich Nähe weit an und Weite ganz nah.


Die heutige Fotoserie erzählt von diesen inneren Reisen. In Montfaucon setzte ich mir die Touristinnenbrille auf – nicht, um in die Ferne zu schweifen, sondern um das Nahe neu zu sehen. Ich fotografierte Ländliches und Städtisches, Alltägliches und Flüchtiges. In La Brévine suchte ich im Schneetreiben nach der Kälte, die fast durchs Bild schneidet; in La Chaux-de-Fonds und Le Locle nach jener stillen Fremdheit zwischen Geraden, Fassaden und verschlossenen Fenstern. Was mich früher frösteln liess, bringt heute mein Herz zum Klingen.

Am Sonntagmittag kehren wir im Restaurant «Du Grand Pont» ein. Neugierige Blicke begleiten uns bis zum Tisch. Doch lange bleiben wir nicht Fremde. Ein paar Worte, ein Lachen, eine beiläufige Bemerkung – und schon sind wir im Gespräch.

Die Sprachgrenze erweist sich einmal mehr als erstaunlich durchlässig. Spätestens bei einem Gläschen "Grüner Fee" verstehen wir uns ohnehin bestens. Und vielleicht hat Heimat weniger mit Dialekt zu tun, als mit der Bereitschaft, miteinander anzustossen – und noch einen Moment sitzen zu bleiben.

 


Admittedly, as a child, Switzerland was the place where people spoke Swiss German. Everything else was foreign country – even if it lay on the same map.

But it wasn’t only the language that unsettled me. It was the colors, the light, above all the smells. Twice a year we traveled to Ascona to visit my father’s uncle. The journey itself felt like a silent border crossing. With every tunnel, a piece of familiarity was left behind. The houses glowed in warm hues, the shutters looked as if they had been painted by hand, the voices sounded quick, melodic, incomprehensible. Even the food tasted different. In the alleyways there lingered a foreign rhythm, a different resonance, a sun that was not mine.

I was also a visitor in my own country when we stayed with my aunt in Yverdon. The language there was softer, rounder, almost tender – and yet I did not understand it. The scent of cheese and saucisson, mingled with perfume and cigarette smoke, etched itself into my memory without my being able to give it a name. As a child, I sought refuge in the familiar. I clung to known words as if to a railing. Everything else was uncertainty.

Half a century later, it is precisely this sense of foreignness that draws me in. I collect it the way others collect souvenirs. Since our return from Singapore, I have become even more aware of how many worlds are hidden within this small Switzerland. Beyond the Gotthard, across the so-called Röstigraben, another country opens up – and yet it is the same one. Different colors, different sounds, different faces. And suddenly what is near feels distant, and what is distant feels very close.



Today’s photo series tells of these inner journeys. In Montfaucon, I put on the tourist’s glasses – not to gaze into the distance, but to see what is near with new eyes. I photographed rural and urban scenes, the everyday and the fleeting. In La Brévine, I searched through swirling snow for the cold that almost cuts through the image; in La Chaux-de-Fonds and Le Locle for that quiet foreignness between straight lines, façades, and shuttered windows. What once made me shiver now sets my heart resonating.


At noon on Sunday, we stop at the restaurant “Du Grand Pont.” Curious glances follow us to our table. But we do not remain strangers for long. A few words, a laugh, an offhand remark – and we are already in conversation.

Once again, the language border proves astonishingly permeable. By the time we share a glass of green fairy, we understand one another perfectly well. And perhaps home has less to do with dialect than with the willingness to raise a glass together – and linger a little while longer.

 

LÄNDLICHES

RURAL AREAS

1. Februar 2026:

JANUARY HEROES 

Januarheldinnen und -helden

Nach über einem halben Jahr Back in Switzerland tue ich mich erstaunlich schwer mit dem Suchen und Finden geeigneter Fotomotive für den monatlichen Beitrag von the first Sunday. In den vergangenen Wochen beschäftigt mich deshalb weniger die Frage: Was koche ich heute? – sondern vielmehr: Was fotografiere ich im Januar?

Schwierig. Berge hatte ich schon. Schnee auch. Nebel, Herbst – alles bereits da gewesen. Was also diesen Monat wieder aus den Fingern saugen?

Die Winterstimmung am Vierwaldstättersee am frühen Morgen? Das Familienleben der Silberfischchen in unserem Badezimmer? Oder das Blühen und Verblühen der Tulpensträusse, die ich mir seit Ende Dezember wöchentlich nach Hause trage, um meiner Sehnsucht nach Frühling ein Ventil zu geben?

Vorschlag eins scheidet sofort aus. Alle, die mich kennen, wissen: Weder frühes Aufstehen noch Kälte gehören zu meinen freiwillig gewählten Hobbys. Also schraube ich mir den Makroaufsatz auf die Kamera und beginne, die zahlreichen Silberfischchen abzulichten. Doch auch diese Idee wird schnell wieder verworfen – Farbe und Form der Fotosujets möchte ich euch wirklich nicht zumuten.

Bleiben also die Tulpen. Ich mache mich auf den Weg zur Migros, um einen Strauss zu ergattern. Doch Pech gehabt: Diese sind – gemäss Floristin – diese Woche in Aktion und deshalb seit dem frühen Nachmittag ausverkauft. Also heute doch keine Tulpen aus Holland. Vielleicht morgen. Oder im März. Oder nächstes Jahr.

Beim anschliessenden Einkauf passiert dann das Unerwartete. Denn das Gemüse beim Eingang strahlt mich förmlich an. Wunderschön präsentieren sich Blaukabis, Wirz, Kohl und Kürbis in ihren Kistchen und Regalen. Nach zwei Jahren ohne jegliches Saisongefühl in Singapur bin ich seit unserer Rückkehr regelrecht fasziniert vom saisonalen Früchte- und Gemüseangebot.

Diesen Winter esse ich deshalb Boskoopäpfel, Blaukabis und all die Gemüsesorten, die mich schon durch meine Kindheit begleitet haben. Keine Him- und Heidelbeeren im Januar. Keine Tomaten mit Identitätskrise aus dem Gewächshaus. Stattdessen Randen, Kürbis – und Rosenkohl. Ja, genau: der von vielen verschmähte Rosenkohl. Das Gemüse, das ganze Generationen traumatisiert hat und dennoch jedes Jahr unbeirrt zurückkehrt.

Und genau dieses Angebot setze ich zu Hause in Szene. Ich fotografiere meine echten Januarheldinnen und -helden und freue mich über Farben, Formen und Strukturen. Wer mich kennt, weiss allerdings auch: Die simple Gemüsefotografie wurde mir mit der Zeit etwas zu langweilig. Also konnte ich es nicht lassen – und habe mal wieder Türme gebaut. 

Denn im Januar ist selbst Gemüse bereit, über sich hinauszuwachsen.

January Heroes

After more than half a year back in Switzerland, I find myself surprisingly challenged when it comes to finding suitable photographic subjects for the monthly first Sunday post. Lately, I’m less concerned with the question What shall I cook today? and much more with What on earth should I photograph in January?

Difficult. I’ve already done mountains. Snow as well. Fog, autumn – all covered. So what am I supposed to conjure up this month?

The winter atmosphere at Lake Lucerne in the early morning? The family life of silverfish in our bathroom? Or the blooming and fading of the tulip bouquets I’ve been bringing home weekly since late December, simply to give my longing for spring a small outlet?


Option one is discarded immediately. Anyone who knows me is well aware that neither early mornings nor cold temperatures are hobbies I pursue voluntarily. So I attach the macro lens to my camera and start photographing the numerous silverfish. But this idea, too, is quickly abandoned – the colours and shapes of these subjects are really not something I want to impose on you.


That leaves the tulips. I head to Migros to secure a bouquet, only to be told by the florist that they were on promotion this week and therefore sold out by early afternoon. So no tulips from Holland today. Maybe tomorrow. Or in March. Or next year.



And then, while doing the rest of my shopping, the unexpected happens. The vegetables at the entrance practically beam at me. Red cabbage, savoy cabbage, kale and squash present themselves beautifully in their crates and shelves. After two years without any real sense of seasonality in Singapore, I’ve become utterly fascinated by the seasonal fruit and vegetable offerings since our return.

In winter, I eat Boskoop apples, red cabbage and all those vegetables that already accompanied me through my childhood. No raspberries or blueberries in January. No tomatoes with an identity crisis from greenhouses. Instead: beets, squash – and Brussels sprouts. Yes, those much-maligned Brussels sprouts. The vegetable that traumatised entire generations and yet returns every single winter, undeterred.

This is exactly what I stage at home. I photograph my true January heroes and delight in their colours, shapes and textures. Anyone who knows me will also know that simple vegetable photography eventually became a bit too boring for me. So I couldn’t help myself – and once again, I started building towers.

Because in January, even vegetables are ready to grow beyond themselves.

 

4. Januar 2026:

Der etwas andere Jahresrückblick 


„Ein Jahr ist schnell vorüber …“
Dieser Liedanfang der Münchner Freiheit aus dem Jahr 1987 hat sich in den letzten Tagen in meinen Ohren festgesetzt. Ein Ohrwurm – und gleichzeitig ein leiser Stich Melancholie. Kaum etwas bringt einen so zuverlässig zum Nachdenken wie die Geschwindigkeit, mit der das Leben an uns vorbeizieht. 

Alle, die die 50 bereits überschritten haben, werden mir wohl zustimmen: Als wir diesen Song damals immer wieder in der Jukebox in Lindencham auswählten, mitsangen und sogar noch dafür bezahlten, fühlte sich das Leben langsamer an. Vielleicht war es das nicht. Aber es fühlte sich so an.

Heute, Anfang Januar 2026, sitze ich mit einem Kaffee in einem Café in Mannheim. Vor mir der Laptop, auf dem Bildschirm: Ordner. Monate. Länder. Bilder. Draussen Kühlschranktemperaturen, drinnen mollige Wärme – und dazwischen meine Gedanken.

Wie schon im letzten Jahr stellt sich mir dieselbe Frage. Damals noch in Westaustralien, begleitet von „Driisg Jahr“ von Stephan Eicher. Wohin sind sie gegangen, diese vergangenen 365 Tage?

Seit Weihnachten ordne ich Fotos. Bringe Struktur in ein Jahr, das vieles war: bewegt, intensiv, überraschend. Was nüchtern klingt, ist in Wahrheit ein leises Wiedersehen mit Momenten, Menschen und Orten. Auch Asien taucht dabei immer wieder auf. Nicht als schwere Sehnsucht, sondern eher wie ein vertrauter Duft. Kurz da. Und doch bleibend.

Ordner für Ordner wird klar: 2025 war ein besonderes Jahr.

Eines, das gefordert und verändert hat. In dem Grenzen spürbar waren – und sich gleichzeitig neue Freiräume geöffnet haben. Ein Jahr mit Abschieden, ja. Aber ebenso eines voller Neugier, Lebendigkeit und Reiselust.

 

Zwischen all den Bildern halte ich immer wieder inne. Und denke: Schön war’s. Zwölf Monate voller Erfahrungen. 365 Tage voller Begegnungen. Gezählt nicht in Zeit, sondern in Erinnerungen.

Erst jetzt, bei einem genaueren Blick auf den Song, der mich durch diese Tage begleitet hat, entdecke ich seinen eigentlichen Titel:
„Solang man Träume noch leben kann …“

Passt?
Passt.

Die Hoffnung bleibt, dass es 2026 ebenso gut meint. Mit mir. Mit dir. Mit euch.
Und die leise Gewissheit, dass ich auch in 365 Tagen wieder irgendwo sitzen werde – mit einem Kaffee, einem Laptop und ein paar Ordnern voller Leben.

HAPPY 2026.
Solang man Träume noch leben kann.
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PS:
Der Fotorückblick 2025 steht ganz im Zeichen der Begegnungen.
Um die Geschwindigkeit des Lebens – oder vielmehr den Lauf der Zeit – einzufangen, habe ich Porträts von Menschen festgehalten, denen ich 2025 auf meinen Reisen durch Kambodscha, Indien, Sri Lanka, Malaysia, Singapur und Australien begegnen durfte.

Die Fotografien sind nach dem Alter der Porträtierten geordnet – von jung bis alt – als leise Erinnerung daran, dass Zeit uns alle verbindet, unabhängig von Herkunft oder Ort.
So entsteht eine stille Chronologie des Lebens.

Die Erinnerungen an die Menschen, Orte und Gerüche leben weiter – eingefangen in Momenten, die bleiben.


“A year goes by so quickly …”

This opening line from a song by Münchener Freiheit, released in 1987, has been stuck in my head these past few days. An earworm – and at the same time a quiet sting of melancholy. Hardly anything makes you reflect as reliably as the speed at which life rushes past us.


Everyone who has already crossed the 50 mark will probably agree with me: when we kept selecting this song on the jukebox in Lindencham back in 1987, singing along and even paying for it, life felt slower. Maybe it wasn’t. But it certainly felt that way.


Today, early January 2026, I’m sitting in a café in Mannheim with a coffee. In front of me, a laptop. On the screen: folders. Months. Countries. Images. Outside, fridge-like temperatures; inside, cosy warmth – and in between, my thoughts.


Just like last year, the same question arises. Back then I was still in Western Australia, accompanied by “Driisg Jahr” by Stephan Eicher. Where have they gone, those past 365 days?

Since Christmas, I’ve been sorting photos. Bringing structure to a year that was many things: eventful, intense, surprising. What sounds sober is, in truth, a quiet reunion with moments, people, and places. Asia keeps appearing as well – not as a heavy longing, but more like a familiar scent. Briefly present. And yet lasting.

Folder by folder, it becomes clear: 2025 was a special year.

One that challenged and changed me. A year in which limits were tangible – and at the same time new spaces opened up. A year of farewells, yes. But also one full of curiosity, vitality, and a desire to travel.

Between all the images, I pause again and again. And think: it was beautiful. Twelve months full of experiences. 365 days full of encounters. Counted not in time, but in memories.

Only now, taking a closer look at the song that has accompanied me through these days, do I discover its actual title:
“As long as one can still live one’s dreams …”

Does it fit?
It does.

The hope remains that 2026 will be just as kind. To me. To you. To all of us.
And the quiet certainty that in 365 days’ time, I’ll be sitting somewhere again – with a coffee, a laptop, and a few folders full of life.

HAPPY 2026.
As long as one can still live one’s dreams.
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PS:
The 2025 photo retrospective is shaped by encounters.
In order to capture the speed of life – or rather, the passage of time – I portrayed people I met during my travels in 2025 through Cambodia, India, Sri Lanka, Malaysia, Singapore and Australia.

The photographs are arranged by the age of those portrayed – from young to old – as a quiet reminder that time connects us all, regardless of origin or place.
Thus, a silent chronology of life emerges.

The memories of people, places and scents live on – captured in moments that remain.

7. DEZEMBER 2025:

EISZEITEN

EISZEITEN

Wie die Zeit rast. Gut so! Denn dieser gefühlt ewige Winter macht mir hier so richtig zu schaffen. Nach zwei Jahren im winterfreien Ewigsommer wirkt alles noch viel schlimmer als vor drei Jahren. Die Kälte ist unterirdisch, die Dunkelheit endlos.

Und alle, die jetzt sehnsüchtig auf meinen Lobgesang auf die vier Jahreszeiten hoffen: ihr könnt lange darauf warten – auf den Winter kann ich gerne komplett verzichten. Sowohl auf die fünf Schichten Winterkleider als auch auf die eiskalten Hände und Füsse. Am schlimmsten aber sind die Frostbeulen an meinen Zehen, die ich mir bereits im November eingefangen habe.

Natürlich bin ich daran selber schuld. Denn der erste Schnee hat meinen fotografischen Ehrgeiz geweckt und mich – auf der Suche nach Pulverschnee und Puderzuckerlandschaften – direkt auf den Titlis geführt.

Und ich gebe es zu: Dort oben, über dem Nebelmeer, war es traumhaft schön. An jenem Samstag vor zwei Wochen präsentierte sich die Landschaft von ihrer allerbesten Seite – so schön, dass selbst ich, bekennende Schneeverabscheuerin, ein bisschen schwach wurde. Wenn Schnee doch einfach nicht so kalt wäre …

Doch das Beste am Ausflug auf den Titlis? Auf 3238 Metern über Meer fühlte ich mich plötzlich wie in Asien. Ich traf auf eine Reisegruppe aus Hongkong, ein Ehepaar aus Indonesien, viele Chinesen – und noch mehr Inderinnen. Im Restaurant warmes indisches Essen, dazu viel Wärme (endlich!). Ein Stück Asien im Schweizer Winterwunderland.

Und so nehme ich dieses kleine Stück Asien vom Titlis mit in die Adventszeit –
als Erinnerung daran, dass selbst im kältesten Winter ein Hauch von Süden auftauchen kann.
Manchmal in den Begegnungen mit Menschen.
Manchmal auf 3238 Metern.
Und manchmal sogar im Schnee. 

ICE AGES

How time flies. Which is just as well — because this seemingly endless winter is really getting to me. After two years in an eternal summer without winter, everything feels so much harsher than it did three years ago. The cold is subterranean, the darkness endless.
And to all those eagerly hoping for my praise of the four seasons: you’ll be waiting a long time — I could easily do without winter altogether. Without the five layers of winter clothing, without the icy hands and feet. Worst of all are the chilblains on my toes, which I managed to pick up back in November.
Of course, it’s entirely my own fault. The first snowfall rekindled my photographic ambition and sent me — in search of powder snow and sugar-dusted landscapes — straight up to the Titlis.
And I admit it: up there, above the sea of fog, it was breathtakingly beautiful. On that Saturday two weeks ago, the landscape showed itself from its very best side — so beautiful that even I, a self-proclaimed snow-hater, felt myself softening a little. If only snow weren’t so cold …
But the best part of the trip to the Titlis? At 3,238 metres above sea level, I suddenly felt as if I were in Asia. I met a tour group from Hong Kong, a couple from Indonesia, many Chinese visitors — and even more women from India. In the restaurant: warm Indian food, and plenty of heat (finally!). A small piece of Asia in the Swiss winter wonderland.
And so I carry this little piece of Asia from the Titlis into the Advent season —
a reminder that even in the coldest winter, a hint of the South can appear.
Sometimes in encounters with people.
Sometimes at 3,238 metres.
And sometimes even in the snow. 

2. NOVEMBER 2025:

FREIHEIT-FREEDOM

Freiheit

Meine Familie wusste schon früh: Einsperren konnte man mich nicht. Schon als Kind zog ich mit meinem Trotinett los, um das Quartier zu erkunden – neugierig, abenteuerlustig, frei. Dabei vergass ich oft die Zeit, und meine Familie musste mich regelmässig suchen gehen. Um das abendliche „Einsammeln“ zu erleichtern, wurde mein Aktionsradius kurzerhand eingeschränkt. Doch Grenzen waren noch nie mein Ding – und so überschritt ich sie regelmässig. Freiheit war mir schon damals wichtig.

Seit mehr als drei Monaten sind wir nun wieder in Europa. Wir haben uns eingelebt, fassen langsam wieder Fuss – und trotzdem ertappe ich mich immer wieder beim Motzen über die Kälte. Nach 747 Tagen mit konstanten 30 Grad fühlt sich der Herbst hier fast wie ein Kühlschrank an. Auch die immer kürzer werdenden Tage nach zwei Jahren 12/12-Rhythmus sind gewöhnungsbedürftig.

Und doch möchte ich heute ein kleines Loblied auf die Freiheit singen. Seit unserer Rückkehr geniesse ich eine Art Freiheit, die in Singapur kaum möglich war. So kompakt und praktisch der Stadtstaat auch ist – irgendwann stösst man dort an Grenzen. Eine Insel bleibt eben eine Insel. Hier hingegen kann ich einfach losfahren – grenzenlos.

In den Herbstferien haben wir genau das getan: Wir sind losgefahren, quer durch halb Europa. Spontan, ohne Plan. Wir hielten dort an, wo es uns gefiel, blieben, wenn uns etwas faszinierte, und zogen weiter, wenn uns die Lust packte. Freiheit pur.

Und dann sind da noch die Berge. Natürlich waren wir auch in Singapur „wandern“ – auf den Mount Faber (106 m) und den Bukit Timah (164 m). Doch seit ich wieder in der Schweiz bin, fühle ich mich im wahren Schlaraffenland. Auf jedem Gipfel, auf jeder Wanderung geniesse ich die Fernsicht – dieses Gefühl von Weite, das Herz und Gedanken öffnet.

Fernsicht. Weitsicht. Für mich ist das: Freiheit.

PS: Vielleicht ist Freiheit genau das – anzukommen, zu geniessen, und doch zu wissen, dass es einen irgendwann wieder hinauszieht in die grosse, weite Welt.



Freedom

My family knew early on: you couldn’t keep me locked in. Even as a child, I’d set off on my scooter to explore the neighborhood – curious, adventurous, free. I often lost track of time, and my family had to come looking for me. To make the evening “collection” easier, my radius of freedom was soon reduced. But boundaries were never really my thing – and so I kept crossing them. Freedom mattered to me, even back then.

It’s been more than three months since we returned to Europe. We’ve settled in, slowly finding our rhythm again – and yet I still catch myself grumbling about the cold. After 747 days of a constant 30 degrees, autumn here feels almost like a refrigerator. And after two years of equal days and nights, the ever-shorter daylight hours take some getting used to.

Still, today I want to sing a small ode to freedom. Since our return, I’ve been enjoying a kind of freedom that simply didn’t exist in Singapore. As compact and convenient as the city-state is, at some point you reach its limits. An island is, after all, an island. Here, by contrast, I can just drive off – without borders, without bounds.

That’s exactly what we did during the autumn holidays: we hit the road, across half of Europe. Spontaneous, unplanned. We stopped wherever something caught our eye, lingered where curiosity led us, and moved on whenever the mood shifted. Pure freedom.

And then, of course, there are the mountains. We did go “hiking” in Singapore too – up Mount Faber (106 m) and Bukit Timah (164 m). But since being back in Switzerland, I feel like I’m in a true land of plenty. On every summit, on every hike, I savor the view – that vastness that opens both heart and mind.

Distance. Perspective. For me, that’s what freedom truly is.

PS: Perhaps freedom is exactly this – to arrive, to enjoy, and yet to know that one day, it will call you back out into the wide, open world.


FERNSICHT - WEITBLICK

(auf Wanderungen im Oktober 25) 

VON PONT BOU (E) NACH BANYULS (F)  UND  VOM BRIENZER-ROTHORN NACH LUNGERN

5. OKTOBER 2025:

KEIN ANSCHLUSS UNTER DIESER NUMMER

Aufgabe 22 der Sommerakademie Dresden: Fertige Bilder zu folgender Geschichte an...

Es war einmal ein Mensch,
Once upon a time, there was a person,


der immer abgelenkt war.
who was always distracted.




Die Augen
His eyes 

stets auf sein Telefon fixiert,
were constantly fixed on his phone, 

konnte er die farbenfrohe Welt um sich herum 
he could barely perceive the colorful world around him. 



kaum mehr wahrnehmen. 


Bis ihm...

Until 

plötzlich  

suddenly, 

 


 das Telefon aus der Hand glitt... 
the phone slipped from his hand...


 


 

Ende! 
The End! 

Immer erreichbar - und doch ganz weit weg

Always reachable – and yet so far away

im Auftrag der Sommerakademie Dresden


Es war einmal ein Mensch, der immer abgelenkt war.
Seine Augen klebten am Telefon,
während um ihn herum eine farbenfrohe Welt vorbeizog.
Er sah sie nicht.
Er hörte sie nicht.
Sein Blick war gefangen im Warten –
auf diesen einen Anruf.
Und dann, plötzlich: das Klingeln.
Er hebt ab.
Ein paar Sekunden Stille.
Wir wissen nicht, was gesagt wurde –
doch sein Gesicht verrät alles.
Der Hörer entgleitet seinen Händen,
das Telefon fällt, der Draht baumelt.
Stille.

Damals waren wir ans Telefon gebunden.
Heute tragen wir es freiwillig in der Hosentasche – und mit ihm: unsere Identität.
Fotos, Termine, Bankkarten, Kontakte, Erinnerungen.
Unser ganzes Leben passt in ein handgroßes Gerät.
Wir sind erreichbar. Immer.
Und weil wir es können, sollen wir es auch.
Die ständige Verfügbarkeit ist zur stillschweigenden Erwartung geworden –
im Job, im Freundeskreis, in der Familie.

Früher blieben wir zuhause,
aus Angst, einen wichtigen Anruf zu verpassen.
Heute nehmen wir das Büro mit in den Urlaub,
tippen beim Essen, scrollen im Gespräch,
verschwinden in Bildschirmen –
selbst wenn das echte Leben direkt vor uns steht.

Vielleicht liegt in all dem eine Frage,
die uns auch heute noch beschäftigt:
Wie viel Macht darf ein Telefon über unser Leben haben?

Eine gewisse Abhängigkeit gab es schon früher.
Auch damals starrten wir auf das Telefon,
hofften, bangten, warteten.
Vielleicht hat sich nicht nur die Form verändert.
Früher war der Draht kürzer und das Gerät schwerer –doch seine Macht über uns ungleich kleiner.

Damals warteten wir auf das Klingeln.
Heute warten wir auf Ruhe.


Once upon a time, there was a person who was always distracted.
His eyes clung to the telephone,
while all around him a colorful world passed by.
He didn’t see it.
He didn’t hear it.
His gaze was trapped in waiting –
for that one call.
And then, suddenly: the ringing.
He picks up.
A few seconds of silence.
We don’t know what was said –
but his face reveals everything.
The receiver slips from his hands,
the phone falls, the cord sways.
Silence.

Back then, we were tied to the telephone.
Today we carry it willingly in our pockets –
and with it: our identity.
Photos, appointments, bank cards, contacts, memories.
Our whole life fits into a device the size of a hand.
We are reachable. Always.
And because we can be, we’re expected to be.
Constant availability has become an unspoken rule –
at work, among friends, in the family.


In the past, we stayed at home,
afraid of missing an important call.
Today we take the office with us on vacation,
type while eating, scroll through conversations,
disappear into screens –
even when real life stands right in front of us.


Perhaps hidden in all this lies a question
that still concerns us today:

How much power should a phone have over our lives?

A certain dependence already existed back then.
Even then we stared at the telephone,
hoping, fearing, waiting.
Perhaps it was not only the form that changed.
Back then the cord was shorter and the device heavier –
yet its power over us was much smaller.


Back then, we waited for the ringing.
Today, we wait for silence.

7. SEPTEMBER 2025: 

CHAOS UND ORDNUNG

Seit einiger Zeit sind wir nun wieder in der Schweiz. Angekommen? Hm … sagen wir so: Wir üben noch. Es fühlt sich ein bisschen an wie diese Momente am Flughafen, wenn man auf das Gepäckband starrt und sich fragt, ob der eigene Koffer überhaupt noch kommt. Man weiss: Eigentlich ist man schon da – aber irgendwie eben noch nicht so ganz.

Den Neustart haben wir, ehrlicherweise, ein wenig unterschätzt. In der Wohnung türmten sich anfangs Umzugskisten, daneben stapelten sich Schulmaterialien, und im Keller warteten Kartons voller Dinge, von denen wir zwei Jahre lang nicht einmal mehr wussten, dass wir sie besitzen.

Und dann war da noch die Bürokratie. Swisscom, Krankenkasse, Einwohneramt, Steueramt, Pensionskasse … ich habe inzwischen die Warteschleifenmusik sämtlicher Behörden im Ohr wie einen hartnäckigen Sommerhit. Immer wieder dieselbe Stimme: „Bitte haben Sie noch etwas Geduld …“ – als hätte ich eine Wahl.

Ach ja, und der Rechtsverkehr! Nach zwei Jahren Singapur war mein Blick programmiert: rechts, immer rechts. In Luzern wieder links schauen? Fehlanzeige. Das Ergebnis: Ich stand mehr als einmal wie ein verwirrter Tourist am Strassenrand, schaute in die falsche Richtung – und wurde nur durch das geistesgegenwärtige Bremsen eines Velofahrers davor bewahrt, Teil der Abendnachrichten zu werden. Ein unbeabsichtigter Adrenalinkick gleich in der ersten Woche.

Auch das Wetter machte den Übergang nicht gerade leichter. Nach zwei Jahren tropischer Konstanz in Südostasien fühlten sich 18 Grad und Dauerregen an wie eine unfreiwillige Einladung zum Frieren – mein Sommermodus war schlicht nicht vorbereitet. 

Und ja, manchmal kommt das Heimweh. Nach Singapurs kulinarischen Verführungen an jeder Strassenecke, nach dem unfassbar gut organisierten ÖV-Netz und nach dieser Leichtigkeit, die das Leben dort oft hatte. Aber eben auch nach unseren Freunden dort, nach den Gesprächen an der Englischschule – und nach Olivias legendärer Açaí-Bowl, die mir wohl ewig in Erinnerung bleiben wird.

Und doch gibt es hier diese besonderen Momente des Wiedersehens: Familie umarmen, vertraute Gesichter sehen, Freunde treffen, alte Lieblingsorte neu entdecken. Und dann – die Berge! Ich hatte fast vergessen, wie still es sein kann, wenn man auf einem Gipfel steht. Der Geruch von nassem Gras, das ferne Läuten der Kuhglocken, der Blick über diese endlose Weite … das sind Momente, die sich ins Herz brennen.

Auch im Alltag entsteht Neues: wieder Routinen finden, sich im vertrauten Umfeld einrichten, kleine Rituale geniessen. Und natürlich die Arbeit – zurück in einem tollen Team, zurück in der vertrauten Arbeit mit Kindern, zurück in einem Raum, der sich einfach richtig anfühlt.

Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit in Asien. Sie hat mich verändert, mir neue Perspektiven geschenkt, mich überrascht und gefordert. Ich habe Menschen getroffen, Geschichten gesammelt, Bilder eingefangen – und all das nehme ich mit. Gleichzeitig spüre ich, wie gut es tut, wieder hier zu sein. In einem Leben, das (auch) zu mir passt.

Natürlich weiss ich: Sobald die Temperaturen in den einstelligen Bereich rutschen, wird mich das Fernweh wieder kitzeln. Aber vielleicht ist genau das das Schöne daran, zwischen zwei Welten zu leben: Man lässt an beiden Orten ein Stück Herz zurück – und entdeckt irgendwann, dass das Zuhause nicht nur ein Ort ist, sondern das Dazwischen.

P.S.: Dieser Beitrag ist übrigens Teil eines Fotoauftrags im Rahmen der Sommerakademie Dresden, an der ich auch dieses Jahr wieder teilnehme. Das Thema: „Chaos und Ordnung“ – ein passender Titel, denn genau dieses Projekt hat mir geholfen, im Umzugschaos Schritt für Schritt wieder Ordnung zu schaffen. 

For some time now, we’ve been back in Switzerland. Arrived? Well … let’s say we’re still practicing. It feels a bit like those moments at the airport when you stare at the baggage carousel, wondering if your suitcase is actually going to show up. Technically, you’re already there – but somehow, not quite.

Honestly, we underestimated the restart. In the beginning, moving boxes piled up in the living room, school supplies stacked in corners, and the basement was full of cartons stuffed with things we hadn’t even remembered owning for the past two years.

And then there was the bureaucracy. Swisscom, health insurance, the local residents’ office, the tax office, the pension fund … at this point, I have the hold music of every Swiss authority stuck in my head like a catchy summer tune. Always the same soothing voice: “Please hold the line …” – as if I had a choice.

Oh, and the traffic rules! After two years in Singapore, my brain was programmed to look right first. Back in Lucerne, remembering to look left? Nope. The result: more than once I stood on the street like a confused tourist, checking the wrong direction – and was saved from making the evening news only by the quick reflexes of an oncoming cyclist. An unexpected adrenaline kick in week one.

The weather didn’t make the transition any easier either. After two years of tropical consistency in Southeast Asia, 18 degrees and endless rain felt like an unsolicited invitation to shiver – my summer mode simply wasn’t prepared for this.

And yes, sometimes the homesickness hits. I miss Singapore’s culinary temptations on every corner, the brilliantly efficient public transport system, and that sense of ease life there seemed to carry. But I also miss our friends, the conversations at the English school – and Olivia’s legendary açaí bowl, which I’ll probably never forget.

And yet, there are these special moments of coming home: hugging family, seeing familiar faces, catching up with friends, rediscovering old favorite places. And then – the mountains! I had almost forgotten how silent it can be up there. The smell of wet grass, the distant ringing of cowbells, the view stretching endlessly across the valleys … these are moments that carve themselves into your heart.

New things are unfolding in everyday life, too: finding new routines, settling back into familiar surroundings, enjoying little rituals. And of course, work – back with a wonderful team, back with the children, back in a space that simply feels right.

I’m deeply grateful for our time in Asia. It changed me, gave me new perspectives, surprised me, and challenged me. I met people, collected stories, captured images – and I carry all of it with me. At the same time, I can feel how good it is to be back. To be living a life that, once again, feels like mine.

Of course, I know: as soon as the temperatures start to drop into the single digits, that longing for faraway places will come knocking again. But maybe that’s the beautiful part of living between two worlds: you leave pieces of your heart in both places – and one day, you realize that home isn’t just a place. It’s what lives in between.

P.S.: This post is part of a photography project for the Sommerakademie Dresden, where I’m participating again this year. The theme: “Chaos and Order” – a fitting title, since this project has actually helped me bring a little order back into the chaos of moving.