Wochenthema: 

DETAIL

 and the winner is... 

WOCHE 70: 

DETAIL

Auftraggeberin:  Sophie Szepeshazy
Veröffentlichung: 30. März 2025

"Der Zauber liegt immer im Detail.
Theodor Fontane

Man sagt, der Teufel stecke im Detail – und wenn man jede Woche eine kreative Challenge bewältigen muss, dann kann genau dort die grösste Herausforderung liegen. Denn glaubt mir: Jede Woche ein neues Thema kreativ umzusetzen, ist nicht immer einfach. Manchmal ist es anstrengend. Oder frustrierend. Oder, wie in dieser Woche, einfach nur nass. Dauerregen das ganze Wochenende über, und als Bonus gleich noch am Montag. Trotzdem musste ich irgendwie Bilder zum Thema "Detail" finden. Also zog ich – TROTZ Regenwetter – los und stiess – DANK Regenwetter – auf... Schnecken.

Schon als Kind hatten es mir diese schleimigen Langsamreisenden angetan. In unserem Quartier organisierten wir damals Schneckenrennen. Mit Grünfutter versuchten wir, unsere "Rennpferde" zu motivieren und etwas Schwung in ihr Leben zu bringen. Doch, wie wir alle wissen: Schnecken lassen sich nicht hetzen. Statt rasante Sprints zu erleben, sassen wir also oft einfach da und beobachteten – wie sie vom Weg abkamen, sich ins Haus zurückzogen oder mühsam vorwärts krochen. So hatte ich bereits in jungen Jahren viel Zeit, Schneckendetails zu studieren.

Und so auch am vergangenen Sonntag. Ich traf – für Singapurer Verhältnisse – auf erstaunlich viele Schnecken und konnte ihre winzigen Details durch meine Makrolinse erkunden. Doch nicht nur die Schnecken hatten es mir angetan; plötzlich entdeckte ich interessante Fundstücke, deren Strukturen und Muster mich ebenso faszinierten. Manchmal sind es eben gerade die kleinen Dinge, die Grosses offenbaren.

Dabei erinnerte ich mich an einen klugen Satz von Steve Jobs: «Details sind wichtig – es ist es wert, zu warten, bis sie richtig sind.» Also nahm ich mir Zeit und wurde fast ein wenig detailversessen. Bin ich deshalb eine Tüpflischisserin? Vielleicht. Aber wie Andreas Tenzer so treffend bemerkte: «Qualität ist das Produkt der Liebe zum Detail.» Und wenn ich mir meine Aufnahmen so ansehe, dann hat sich diese Liebe wohl gelohnt.

Da mich jedoch die Idee der Tüpflischisserin nicht mehr loslässt, mache ich mich auf die Suche nach einer genaueren Erklärung[1]. Das "Tüpfli" steht für etwas Genaues, Exaktes. Ein "Schisser" hingegen ist jemand, der sich übertrieben Gedanken über DETAILS macht. Die Kombination ergibt also "Tüpflischisser" – bildlich gesehen eine Person, die sich über jedes kleine Detail sorgt. Ob das nun gut oder schlecht ist? Vielleicht kommt es darauf an, ob man Schnecken beobachtet oder schriftliche Arbeiten der eigenen Kinder korrigiert.

Wie wir gesehen haben – und wie bereits Fontane wusste: „Der Zauber liegt immer im Detail!“ Und wenn man genau hinsieht, kann selbst ein verregneter Sonntag voller kleiner Wunder sein.

 

[1] https://www.berliner-kurier.de/raetsel/schraege-frage-aus-genial-daneben-was-ist-ein-tuepflischisser-li.2200912

Wochenthema: 

BETREUUNG IM ALTER

 and the winner is... 


WOCHE 69: 

BETREUUNG IM ALTER

Auftraggeberin:  Rita Studer
Veröffentlichung: 16. März 2025

Täglich wiederholt sich das Schauspiel rund um Chinatown: Bereits am frühen Morgen versammeln sich die Seniorinnen und Senioren der staatlich subventionierten Wohnblocks (HDB) auf dem grossen Platz. Manche bewältigen den Weg noch selbstständig, andere werden am Arm geführt oder im Rollstuhl geschoben. Einige lesen Zeitung, andere unterhalten sich oder sitzen schweigend beieinander. Besonders beliebt sind die Spieltische, an denen eifrig und pausenlos asiatische Brettspiele gespielt werden.

Dort begegne ich Mae, die neben einem alten Mann am Rande der Spieltische sitzt. Eine Ablenkung kommt ihr gerade recht, denn ihr Begleiter hat sie soeben aufs Schlimmste beschimpft. Solche Ausbrüche, berichtet die Frau aus Myanmar, seien keine Seltenheit. Neben verbalen Attacken komme es immer wieder zu grenzüberschreitendem Verhalten. Mae ist die Pflegerin des 89-jährigen, stark dementen Mannes und sechs Tage die Woche rund um die Uhr für ihn verantwortlich. Der Besuch auf dem Platz von Chinatown ist eine willkommene Abwechslung vom fordernden Alltag.

Wie ich später nachlese, ist die Beschäftigung von "Maids" für die Altenpflege in Singapur weit verbreitet. Für umgerechnet 450 Franken monatlich können sich viele Familien eine günstige Hilfskraft leisten[1]. Dennoch gilt die Maxime: möglichst lange selbständig leben. Dabei spielt die digitale Überwachung eine zunehmend wichtige Rolle. Das Projekt "ShineSeniors" rüstet Seniorenwohnungen mit Sensoren aus, um Alltagsgewohnheiten wie Medikamenteneinnahme oder Bewegungsmuster zu überwachen. Künstliche Intelligenz erkennt Abweichungen und soll so die Altenpflege optimieren[2].

Doch wie steht es um Alters- und Pflegeheime? Unsere singapurischen Freunde Cindy und Webster reagieren beinahe entsetzt auf diese Frage. Für sie ist es unvorstellbar, ihre Eltern in ein Heim zu geben. Die Familie trage gemeinsam Verantwortung für die älteste Generation, unterstützt durch die lokale Gemeinschaft. In den Quartieren werden regelmässig Seniorensport, kreative Programme und Spielveranstaltungen organisiert. Webster erzählt, dass sein dementer Vater nur gelegentlich für einen Tag in eine Einrichtung geht, um seiner Mutter eine Atempause zu ermöglichen.

Doch angesichts des demografischen Wandels wird sich diese Haltung in Zukunft wandeln müssen. Bereits in wenigen Jahren wird ein Grossteil der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Durch die hohe Erwerbstätigkeit bleibt den Menschen immer weniger Zeit, sich um ihre Eltern zu kümmern. Dies führt zu zunehmender Vereinsamung[3]. Umso wichtiger bleiben die Treffpunkte in den HDB-Anlagen, wo man sich begegnet, spielt, redet oder auch einfach schweigend beisammensitzt. Und so wiederholt sich das Schauspiel jeden Morgen aufs Neue...

PS: Übrigens erfreut sich das Seniorenmobil-Scooter, insbesondere bei Männern, grösster Beliebtheit. Mit bis zu 10 km/h fahren sie quer über den Hauptplatz von Chinatown und freuen sich wie kleine Jungs über ihre Geschwindigkeit und Unabhängigkeit.

 

[1] https://www.anglocaregivers.com/maids-for-elderly-care[2] https://www.chip.de/news/Sensoren-gegen-Einsamkeit-Wie-Rentner-in-Singapur-von-Hightech-profitieren_153129501.html[3] https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2024-09/singapur-senioren-einsamkeit-demografischer-wandel-papst-besuch.html 

Mae arbeitet als  Maid: sechs Tage rund um die Uhr für wenig Geld.. 

Viele Maids arbeiten in der privaten Krankenpflege. 

Oft übernimmt die Familie die Betreuung: Ehefrau...

oder Schwester...

Eine wichtige Rolle spielt die "Gemeinschaft"...

man trifft sich im Erdgeschoss des HDB, wo man die Zeitung liest...

asiatische Brettspiele spielt

oder Zuschauerist ;-)

Man spricht miteinander...

oder hört zu. 

Auch hier ist das Handy  ein wichtiges Utensil. 

Das Seniorenmodell Scooter ist in Singapur sehr beliebt. 

Wochenthema: 

SCHWARZ-WEISS

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WOCHE 68: 

SCHWARZ-WEISS

Auftraggeberin:  Karin Gottenkieny
Veröffentlichung: 9. März 2025

Diese Woche stelle ich meine Canon bewusst auf den Modus «Schwarz-Weiss» und fotografiere den Inhalt meines Kühlschranks, Alltagsgegenstände und die Tiere im Zoo. Die Farblosigkeit verleiht den Bildern eine nostalgische, fast kunstvolle Anmutung – doch manches wirkt auch verfremdet.

Während der Woche beschäftigen mich jedoch nicht nur fotografische Fragen, sondern auch die gesellschaftspolitische Dimension des Themas. Heutzutage – so scheint es mir – denken viele Menschen in strikten Gegensätzen, in einem typischen «Schwarz-Weiss-Schema». Egal um welches Thema es geht, es dominiert die schnelle Entscheidung: entweder für Schwarz oder für Weiss. Eine klare Stellungnahme bedeutet dabei oft zugleich eine ebenso klare Ablehnung der Gegenposition.

Doch was passiert, wenn unser Blickfeld nur Schwarz oder nur Weiss umfasst? Das "Dazwischen", all die feinen Grautöne, scheint in vielen Köpfen kaum noch Platz zu haben. Dabei sind es genau diese Zwischentöne, die eine echte Auseinandersetzung und einen konstruktiven Dialog ermöglichen. Sie erlauben es, andere Perspektiven zu verstehen, Standpunkte zu hinterfragen und, wenn nötig, zu revidieren. Denn kaum eine gesellschaftliche oder politische Fragestellung lässt sich auf eine einzige Wahrheit reduzieren – die Welt ist zu komplex für einfache Antworten. Offenheit für andere Sichtweisen führt zu fruchtbaren Diskussionen, die uns bereichern, anstatt zu spalten.
Ähnlich wie in der Fotografie entstehen auch in der Berichterstattung farbige Bilder erst durch die Vielfalt an Perspektiven. Seriöse Medien sind dabei unverzichtbar, denn sie helfen uns, die Welt differenziert und vielschichtig zu betrachten.

Nächste Woche fotografiere ich wieder in Farbe. Denn erst durch die ganze Palette an Schattierungen zeigt sich die Welt, wie sie wirklich ist – vielschichtig, lebendig und voller überraschender Zwischentöne.

Wochenthema: 

KATHOLISCH IN SINGAPUR

 and the winner is... 

WOCHE 67: 

KATHOLISCH IN SINGAPUR

Auftraggeberin:  Brigitte Fischer 
Veröffentlichung: 2. März 2025

Singapur, Sonntag, 22. Februar 2025: Zum zweiten Mal in Folge machen wir uns am Morgen auf den Weg zur Kirche. Nachdem wir in der Vorwoche zwar pünktlich um zwei Minuten vor zehn Uhr in «Novena» eintrafen, jedoch nur noch einen Sitzplatz im Freien ergatterten, haben wir uns dieses Mal entschlossen, eine halbe Stunde vor Messebeginn zu erscheinen. Doch bereits jetzt ist die Kirche zur Hälfte gefüllt, und geschäftiges Treiben erfüllt den Raum. Rund 50 Helfende begrüssen die Gläubigen und weisen ihnen ihre Plätze zu. Wir finden einen Platz in der fünften Reihe – nicht ideal für meine Challenge, Fotos einzufangen, aber immerhin…

Während der Messe bin ich erneut beeindruckt: Die Gemeinde ist aussergewöhnlich divers. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und Altersgruppen singen, klatschen, beten und lauschen der Predigt. Trotz der feierlichen Stimmung liegt eine spürbare Leichtigkeit in der Luft. Nach der Messe versammeln sich viele im Foyer zum Plaudern, machen Selfies oder lassen sich vom Priester segnen.

Mir kommt eine besondere Ehre zu: Zwei ehemalige Klassenkameraden laden mich ins Pfarrhaus ein. Yosef Umbu, 30, wurde bereits zum Priester geweiht, während der 26-jährige Avel Ora voraussichtlich im Mai sein Gesuch einreichen wird. Beide stammen aus Sumba, einer kleinen indonesischen Insel, auf der über 90 Prozent der Bevölkerung Christen sind[1]. Vor ihrer Ankunft in Singapur studierten sie Theologie und Philosophie in Yogyakarta. Während Avel im Sommer in seine Heimat zurückkehren wird, verbringt Joseph die nächsten drei Jahre im Vatikan. Die zwei jungen Männer bewirten uns mit Spezialitäten aus ihrer Heimat und beantworten meine Interviewfragen.

Natürlich interessiert mich, ob die Kirche jeden Sonntag so voll ist. Tatsächlich, erklären sie, nehmen pro Messe etwa 1.300 Menschen teil – insgesamt also mehr als 5.000 Menschen an den vier Sonntagsgottesdiensten. Die Kirche sei immer voll, ebenso die Sitzplätze im Freien, wo der Gottesdienst per Bildschirm übertragen wird. An Werktagen finden zusätzlich täglich zwei Messen statt[2].

Einer der Gründe für diesen Zulauf, mutmassen die beiden, sei das Wachstum des Christentums in Singapur. Während sich 1980 nur 9,9 Prozent der Bevölkerung zum Christentum bekannten, liegt der Anteil heute bei 19 Prozent[3]. 395 000 davon sind Katholiken[4], verteilt auf 32 Pfarreien[5]. Ein weiterer Grund sei die besondere Bedeutung der Kirche Novena, der wundertätige Eigenschaften nachgesagt werden. Daher ziehen die Messen nicht nur Christen an, sondern auch Menschen anderer Religionen. Die interreligiöse Offenheit und die Einheit der Christen liegen Yosef und Avel besonders am Herzen. In ihrer Heimat erlebe man dies als selbstverständlich – man sehe mehr Verbindendes als Trennendes.

Als das Thema Zölibat zur Sprache kommt, erzählt Yosef lachend von den jungen Philippinerinnen, die sonntags zur Messe kommen und sich anschliessend in knappen Tops und Miniröcken für ein Selfie mit ihm anstellen. "Das ist nicht immer einfach", gibt er augenzwinkernd zu. Beide würden eine Lockerung oder sogar Abschaffung des Zölibats begrüssen.

Wir verbringen einen heiteren Vormittag im Pfarrhaus. Avel und Yosef versprühen eine ansteckende Lebensfreude, genauso wie schon damals in der Schule. Doch neben all dem Lachen bleibt auch Raum für tiefgründige Gespräche. Es sind zwei junge Männer, die sich selbst nicht zu wichtig nehmen, dafür aber die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen. Werte, die nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die Gesellschaft insgesamt bereichern würden.

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Westsumba#:~:text=Mitte%202022%20waren%2070%2C60,5%2C22%20%25%20im%20Rentenalter.[2] https://novenachurch.com
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1317002/umfrage/religionen-in-singapur/#:~:text=Im%20Jahr%202020%20sind%20rund,Prozent%20auf%20etwa%2020%20Prozent.
[4]  https://www.katholisch.de/artikel/55968-mammutreise-geht-zu-ende-papst-franziskus-spricht-in-singapur
[5]  https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2024-09/singapur-wirtschaft-multikulturell-kirche-salz-interview.html#:~:text=Die%20Katholiken%20sind%20eine%20Minderheit,32%20Pfarreien%20verteilt%2C%20berichtet%20er. 

Kirche Novena

Mein Interviewpartner: Yosef Umbu 

Mein Interviewpartner: Avel Ora

Pfarrer Antony Charles 


Die Messdiener  vor ihrem Einsatz...


Insgesamt kann die Kirche jeden Sonntag auf über 200 Helfende setzen. 

immer mit Chor 

Nach der Messe...

Yosef am Posieren 

Lektüre im Pfarrhaus ;-)