Wochenthema: 

STEHENDE ZEIT

 and the winner is... 

WOCHE 59: 

STEHENDE ZEIT

Auftraggeberin: Lara Achermann
Veröffentlichung: 29. Dezember 2024

Jedes Jahr zur gleichen Zeit, zwischen Weihnachten und Silvester, überkommt mich eine melancholische Phase. Es ist ein Moment, in dem ich innehalte, zurückblicke und über Vergangenes nachdenke. Vermutlich geht es nicht nur mir so, denn der Jahreswechsel, dieser Übergang von einer Zahl zur nächsten, hat etwas Symbolisches. Es fühlt sich an, als trete man in ein neues, wenn auch kleines, Zeitalter ein.

Gerade jetzt hat mich Laras Challengethema «stehende Zeit» besonders berührt und zum Grübeln gebracht. Stillstehende Zeit – ein Wunsch, den ich schon lange hege! Selbst unsere Entscheidung, eine längere Zeit im Ausland zu verbringen, entsprang dieser Sehnsucht. Ich hoffte, dem rastlosen Verrinnen der Zeit entkommen zu können. Doch auch am anderen Ende der Welt läuft die Zeit unerbittlich weiter – in demselben atemlosen Tempo. Stunden, Tage, Wochen, Monate ... sie fliegen nur so dahin.

Mein Vater sagte oft, die Zeit würde ab dem 40. Geburtstag immer schneller vergehen. Und tatsächlich, je älter ich werde, desto mehr scheint sich diese Wahrheit zu bestätigen. Viele Momente und Erlebnisse fühlen sich an, als hätten sie erst gestern stattgefunden, obwohl sie längst der Vergangenheit angehören. Erst gerade waren unsere Kinder noch Kinder, und jetzt sind sie erwachsen...

Beim Nachdenken über die Zeit kam mir ein Lied von Stephan Eicher in den Sinn, dessen Text von Martin Suter stammt. Da ich den Liedtext nirgends fand, schrieb ich ihn kurzerhand beim Anhören auf. Dieses Stück, das bereits vor sieben Jahren veröffentlicht wurde, ist ein ergreifender Versuch, unsere Gedanken und Gefühle über die flüchtige Schönheit der Zeit in Worte und Melodien zu fassen. Es erzählt von der besten Zeit des Lebens – einer Zeit, die wir oft erst erkennen, wenn sie längst vergangen ist.

Deshalb: Geniesst jeden Augenblick! Das Leben ist viel zu kurz, um es verstreichen zu lassen, ohne die Schönheit des Moments wahrzunehmen!

PS: Für Laras Challengethema "Stehende Zeit" habe ich Porträtfotografien von Menschen unterschiedlichen Alters ausgewählt. Während die Fotografie in der Lage ist, die Zeit anzuhalten und Momente einzufrieren, wird zugleich deutlich, wie schnell sie rast - vom Baby bis zum 83-jährigen Mann. 

Und wer nun noch Lust bekommen hat – wie Marcello und ich – mit Stephan Eicher mitzusingen: Hier geht es zum Song https://www.youtube.com/watch?v=ya6IN0FXv5M.

Liedtext: 

Drissg Jahr

Echli Freud, echli Wuet, echli Angscht, echli Muet, 

echli brav, echli fräch, echli Glück; echli Päch! 

Echli giel, echli Maa, echli gheiä, echli fah; 

echli flink, echli lahm, echli ungstühm, echli zahm! 

 

Kei Momänt lang wird’s dir klar; jetzt fö si a (2x): 

Die beschtä drissg Jahr! 

 

E chli Traum, e chli wahr, e chli niämmert, e chli Star; 

echli euch, echli dir, echli ander, echli meh! 

Echli fescht, echli frei, echli ungstört:  echli treu,

echli wäg, echli da, echli blibä; echli gah! 

Plötzlich häsch ds erschtä grauä Haar: sie sie das jetzt (2x):

Diä beschtä drissg Jahr!

 

Echli froh, echli trischt, echli glungä, echli Mischt;

echli luut, ächli liis, echli fründlich; echli fies! 

Echli chrank, echli gsund, echli abgnu, echli rund: 

echli gschid, echli dumm, echli gschwätzig, echli stumm! 

 

Und plötzlich hocksch älei ir Bar: Wo si sie hanä (2x): 

Diä letschtä drissg Jahr! 

 


Wochenthema: RUNNING

 and the winner is... 


WOCHE 58: 

RUNNING

Auftraggeberin: Luo Xi
Veröffentlichung: 22. Dezember 2024


Singapur, bekannt für sein feuchttropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit, ist nicht unbedingt das ideale Paradies für Laufbegeisterte. Bei Temperaturen, die selten unter 30 Grad fallen, und einer ständig drückenden Schwüle, findet man auf den Strassen der modernen Metropole nur wenige Joggerinnen und Jogger. Tatsächlich scheint das Lauftraining hier für viele unattraktiv zu sein – zu schweisstreibend, zu anstrengend. Stattdessen ziehen es viele vor, ihre sportlichen Aktivitäten in die klimatisierten Räume der Fitnesscenter zu verlagern. 

 Doch mit dem Näherkommen eines sportlichen Highlights beginnt sich die Szenerie zu wandeln.  Einige Wochen vor dem grossen Singapore-Marathon sieht man plötzlich  auffällig viele Joggende auf den Strassen der Stadt. Meist sind es die sogenannten "Westler", die sich auf den Marathon vorbereiten und Kilometer um Kilometer abspulen – oft mit Smartphone in der Hand, immer bereit für das nächste Foto, um die Herausforderung festzuhalten. 

Doch selbst bei diesen klimatischen Herausforderungen gibt es kulturelle Gründe, warum Running in Singapur eher ein Nischensport ist. Die Singapurer gelten als entspannte und gemeinschaftsorientierte Menschen, die wenig von selbst auferlegtem Leid halten. Während es anderswo darum geht, durch individuelles Training Bestzeiten zu jagen und persönliche Rekorde zu brechen, setzt man in Singapur lieber auf gemeinschaftliche Aktivitäten wie Yoga oder Gruppenkurse. Hier steht nicht der Wettbewerb im Mittelpunkt, sondern das Miteinander: Gemeinsam schwitzen, singen, lachen – das ist das, was zählt. Sport soll in erster Linie Spass machen und kein einsames Streben nach individueller Optimierung darstellen. 

Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen: Drei Tage nach meiner Teilnahme am Halb-Marathon – noch immer etwas erschöpft, mit Blasen an den Füssen, aber stolz – schnappte ich mir meine Kamera und machte mich auf zur Strasse vor dem Marina Bay Sands. Pünktlich um 19 Uhr, wenn die Stadt allabendlich wie auf Knopfdruck in Dunkelheit gehüllt wird, hielt ich die bescheidene Joggingszene fest. Nach der intensiven Vorbereitung auf den Marathon ist das Stadtbild jedoch wieder ruhiger: Ein paar vereinzelte Laufende, schwitzend und keuchend, verirren sich noch in die feuchtheisse Nacht. 

Schlussendlich bleibt Running in Singapur ein zweigeteiltes Phänomen: Während die Einheimischen eher auf entspannten Gemeinschaftssport setzen, bringen internationale Besucherinnen und  Laufverrückte einen Hauch von Laufsport-Tradition in die tropische Metropole. Ein faszinierender Kontrast in einer Stadt, die nie stillsteht, aber manchmal lieber langsamer geht.

Wochenthema: PFLANZEN

 and the winner is... 

WOCHE 57: 

PFLANZEN

Auftraggeber: Robin Studer
Veröffentlichung: 15. Dezember 2024

Pflanzen in Singapur? Dieses Thema war ein Kinderspiel! Nach einem Besuch im überaus sehenswerten Botanischen Garten  hatte ich meine Aufnahmen im Kasten. Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen, in denen das Fotografieren für die Challenge echte Knochenarbeit bedeutete, sitze ich deshalb bereits am Dienstag am Computer und feile an einem Text. Er soll informativ und mit einer persönlichen Note versehen sein.

Da meine Bilder alle eines gemeinsam haben – Grün in allen Schattierungen – ,recherchiere ich über die Farbe Grün. Wie so oft starte ich mit meinem "Freund Google" und stolpere gleich zu Beginn über allerlei Sprichwörter: Grün hinter den Ohren sein, jemandem grünes Licht geben, alles im grünen Bereich. Doch diese Phrasen bringen mich nicht auf einen grünen Zweig – vielleicht ein Wink, mehr über die Wirkung der Farbe zu schreiben?

Auf gesundheit.de[1] erfahre ich Spannendes: Grün steht für Harmonie, Sicherheit und Hoffnung. Die Farbe beruhigt, kann Liebeskummer und Trauer lindern und wird sogar bei Herzkrankheiten eingesetzt. Allerdings gilt Vorsicht, denn zu viel Grün könnte Gleichgültigkeit oder Müdigkeit hervorrufen. Dennoch, wer Grün trägt, wirkt grosszügig und vertrauenswürdig. Und in Räumen fördert Grün Ruhe und Kreativität – etwas, das mir an diesem Tag offenbar fehlt!

Deshalb entscheide ich mich für sachliche informative Informationen! Singapur, mit Temperaturen um die 30 Grad und regelmässigem Regen, ist eine Oase für Pflanzen. Die Tropenstadt hat es sich zum Ziel gesetzt, eine "City in Nature" zu sein[2]. So schreibt ein Gesetz vor, dass jeder neu bebaute Quadratmeter durch grüne Flächen ersetzt werden muss – auf Dächern, an Fassaden oder in Form von Gärten. Selbst Hochhäuser werden begrünt, sodass man mitten in der Stadt Oasen mit Vogelgezwitscher und manchmal sogar Hühnergeschrei findet. Kein Wunder also, dass fast die Hälfte der Stadt aus Grünflächen besteht. Und es soll noch mehr werden: Bis 2030 sollen 80 Prozent aller Gebäude begrünt sein – ein ehrgeiziger Plan, den Singapur voller Überzeugung verfolgt.Stolz ist Singapur auch auf seine rund 400 Parks[3] und Naturschutzgebiete. Laut visitsingapore.com[4] gibt es hier auf einem Hektar mehr Baumarten als in ganz Nordamerika. Tja, hier scheint jede und jeder einen grünen Daumen zu haben! 

Als ich am Abend mit meinen Lieben in der Schweiz telefoniere, zeigt sich Horw GRAU in GRAU. Vielleicht – so kommt mir nur kurz der Gedanke – sollte ich auch im Winter 25/26 hier im Grünen überwintern? Doch ganz ehrlich: nach zwei Jahren "Sommer ohne Ende" fehlen mir die bunten Frühlingswiesen, die Tulpen und Osterglocken in den Gärten und der Duft nach frischem Heu... und immerhin: spätestens seit dem Klimawandel darf man sich – zumindest fast immer – auf GRÜNE Weihnachten freuen!

[1] https://www.gesundheit.de/medizin/psychologie/farben-wirkung-id215570/[2] https://www.greenplan.gov.sg/key-focus-areas/city-in-nature/[3] https://www.nparks.gov.sg/about-us[4] https://www.visitsingapore.com/de_de/editorials/amazing-things-you-never-knew-about-singapore/

Wochenthema: CARS

 and the winner is... 

WOCHE 56: 

Cars

Auftraggeber: Ramon Jud
Veröffentlichung: 8. Dezember 2024

Autos fotografieren in Singapur? Kein Problem – dachte ich zumindest. Hier rollen die teuersten Luxusschlitten über die Strassen, oft in auffälligen Farben: Porsche, Lamborghini, Ferrari und Co. Doch was sie so besonders macht, ist nicht nur ihr Preis – der durch doppelte Auto-Besteuerung und Zulassungsgebühren von mindestens  70.000 Franken ins Unermessliche steigt – sondern auch die Geschichten ihrer Besitzerinnen und Besitzer.
Mein Ziel: Nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch deren stolze Eigentümerinnen und Eigentümer abzulichten. 

Bewaffnet mit meiner Kamera begann ich meine Mission auf einem Parkplatz in unserer Strasse. Doch der Besitzer des roten Porsche, die Fahrerin des metallic-schimmernden Teslas, der Chauffeur des knallgelben Ferrari und der sympathische Eigentümer eines klassischen schwarzen Rolls-Royce lehnten allesamt höflich ab. Niemand wollte neben seinem Auto posieren.

Enttäuscht pausierte ich mein Vorhaben und gönnte mir in meinem Lieblingscafé einen Cappuccino und ein Törtchen. Dort entdeckte ich ihn: einen orangefarbenen Mercedes, ein Modell aus einer längst vergangenen Ära. Er erinnerte mich sofort an meine erste Schultasche von 1976. Mutig sprach ich den Besitzer an, der gerade einsteigen wollte, und machte ihm ein Kompliment für seinen  "amazing car". Schnell entwickelte sich ein Gespräch, und ich erfuhr, dass der Mercedes W115 Baujahr 1971 war, die Farbe Orange nur ein einziges Mal in Asien vorkam und der junge Mann stolzer Besitzer weiterer Oldtimer war. Er empfahl mir, das Viertel Tiong Bahru zu besuchen, wo nicht wenige Bewohnerinnen und Bewohner Oldtimer besitzen.

Am darauffolgenden Samstag ging es – mit Marcello – los nach Tiong Bahru, einem Quartier, das für seine weissen Häuser im Bauhausstil bekannt ist. Tatsächlich parkten dort am Strassenrand viele klassische Modelle: Opel, Mercedes und weitere Schätze. Nicht nur Oldtimer, sondern auch andere vierrädrige Liebhaberobjekte fanden am Ende ihren Weg vor meine Linse. Die Besitzerinnen und Besitzer waren begeistert, sich vor ihren geliebten Fahrzeugen fotografieren zu lassen, und erzählten stolz ihre individuellen Geschichten.

So wurde das Fotografieren zu einem echten Erlebnis. Und am Ende hatte ich sogar Modelle der Luxusklasse vor der Linse. Ob es die echten Besitzerinnen und Besitzer waren, sei dahingestellt – aber manchmal muss 'frau' sich eben zu helfen wissen.

Eins habe ich dabei gelernt: Egal wie teuer oder besonders ein Auto ist – die wahre Kunst liegt darin, die Menschen dahinter ins rechte Licht zu rücken. Und vielleicht, nur vielleicht, schaffe ich es eines Tages auch noch, den Besitzer des roten Porsches vor die Kamera zu bekommen. Bis dahin bleibt sie – wie immer – griffbereit.

"CARS AND OWNER" AUF DEN STRASSEN VON SINGAPUR...

Wochenthema: ENGEL

 and the winner is... 

WOCHE 55: 

Engel

Auftraggeberin: Caroline Suter
Veröffentlichung: 1. Dezember 2024


Nach der Challenge ist bekanntlich vor der Challenge! Schon Mitte der vergangenen Woche mache ich mich an die neue Aufgabe zum Thema ENGEL. Ich bin überzeugt, dass das ein Kinderspiel wird – schliesslich erstrahlt Singapur bereits seit Mitte Oktober im Weihnachtsglanz, und Engel müssten doch überall zu finden sein. Umso besser, denke ich, wenn die Veröffentlichung pünktlich auf den ersten Advent fällt. Perfekt geplant! Doch schnell merke ich: Weihnachtsdeko gibt es hier in Hülle und Fülle, aber Engel? Fehlanzeige. Pakete, Nikoläuse, Kerzen und sogar Einhörner tummeln sich überall – ja, Einhörner! Die sind hier voll im Trend. Aber gefiederte Himmelsboten? Nirgends zu finden.

Also mache ich mich auf den Weg in die Kirchen! Von anglikanisch über armenisch bis evangelisch und katholisch stöbere ich alles durch. Doch Engel? Absolute Flaute. Es scheint fast, als wären Engel in Singapur entweder allergisch gegen tropisches Klima oder dauerhaft im himmlischen Homeoffice. Selbst mein neuer Banknachbar aus dem Englischkurs, ein indonesischer Theologe, kann mir nicht weiterhelfen. Er meint nur achselzuckend: "Engel? Hm… vielleicht sind die hier wirklich unsichtbar?" Sein Vorschlag, einfach Menschen zu fotografieren, die wie Engel sein könnten, überzeugt mich auch nicht. Was, wenn ich am Ende nur egozentrische Teufelchen ablichte und sie euch als Engelchen «verkaufe»?

Ratlos und ein bisschen frustriert ziehe ich am Montag durch die Strassen, als mir plötzlich – oh himmlisches Wunder ;-) – eine Idee kommt: Wenn ich keine Engel finden kann, dann mache ich mir eben welche! Also beginne ich, Engel mit Ästen und Steinen zu gestalten. Am Dienstag – dank des Dauerregens – improvisiere ich mit Dingen aus unserer Wohnung, und am Mittwoch sammle ich Blätter und Blüten. Und siehe da: Jetzt fliegen sie tatsächlich – 24+1  selbstgemachte Adventsengel!

Diese Engel sollen euch Gesundheit, Glück und Freude bringen. Denn auch wenn sie nicht echt sind, bastle ich sie mit viel Liebe. Und wer weiss? Vielleicht treffe ich eines Tages doch noch einen echten Engel – ich halte jedenfalls die Augen offen. Bis dahin: Geniesst den Advent und passt auf, dass euch kein Einhorn vom Dach springt! 

PS: Heute kommt meine Sonntagspost etwas früher als üblich. Marcelo und ich nehmen um 4 Uhr morgens am Singapur-Halbmarathon teil. Drückt uns die Daumen, dass wir es wie Engel – schwebend oder fliegend – ins Ziel schaffen!