Wochenthema: 

ESSEN

and the winner is...


WOCHE 46: 

ESSEN

Auftraggeberin: Barbara Bachmann
Veröffentlichung: 28. Juli 2024

Um es gleich vorweg zu nehmen: Einkaufen und Essen sind die beiden Lieblingsbeschäftigungen der Singapurerinnen und Singapurer[1]. Kein Wunder, dass man am frühen Nachmittag an jeder Ecke mit der Frage "Have you had your lunch?", begrüsst wird und man sich danach über das Mittagessen austauscht. Die Begeisterung für gutes Essen ist allgegenwärtig, denn als wahrlich multiethnische Metropole hat Singapur eine der vielseitigsten gastronomischen Szenen der Welt zu bieten.

Hinsichtlich der Tatsache, dass sich die Bevölkerung aus Menschen mit Chinesischer, Malaiischer sowie Indischer Abstammung zusammensetzt, verdeutlicht, dass es die singapurische Kultur gar nicht gibt[2]. Folglich werden in den lokalen Küchen eine verlockende Mischung der verschiedenen Kulturen angeboten. So geniesst - neben Laksa, Chili Crabs, Currys oder Satay-Spiessen - auch der Britische "High Tea" einen hohen Stellenwert. Wie Elke Homburg[3] schreibt, ist Singapurs Küche so multikulti wie der Stadtstaat selbst und Essen gehen in Singapur ist das reinste Vergnügen. Treffend schreibt sie dazu:

„Chinesen, Malaien, Inder und Europäer rühren in ihren Kochtöpfen und machen die Stadt zum Sehnsuchtsziel für Foodies.“
 
Und genau diese verlockende Stimmung versuchte ich in Woche 46 einzufangen. So begab ich mich am Montag ins Hawkercenter von Chinatown, wo ich für das berühmte "Chicken-Rice" satte 30 Minuten Schlange stand, am Dienstag verköstigte ich mich im Malaiischen Restaurant mit "Nasi Lemak" und zu guter Letzt, reiste ich am Mittwoch nach Little-India, wo ich mich auf "Tandoori Chicken" freuen durfte. SCHADE, dass Gerüche nicht mitgeliefert werden können – es roch nämlich himmlisch!!!
 
PS: Erst als ich beim Durian-Restaurant in unserem Quartier vorbeikomme, revidiere ich mein Bedauern: GLÜCKLICHERWEISE  können Gerüche nicht mitgeliefert werden!

 

[1] https://www.smarttravelers.de/singapur/singapur-stadt/[2] https://www.gebeco.de/blog/unterwegs/kultur-in-singapur[3] https://www.kekseundkoffer.de[4] https://www.visitsingapore.com/de_de/editorials/did-you-know-foodies/ 


ESSEN IN LITTLE INDIA

ESSEN IN CHINA-TOWN

MALAIISCHE KULINARIK

DURIAN

Wochenthema: 

NUDELN

and the winner is...


WOCHE 45: 

Nudeln

Auftraggeberin: Sabin Brühlhard
Veröffentlichung: 21. Juli 2024

Nudeln gehören zu Singapur, wie die Pizza nach Italien, die Knödel nach Österreich oder das Käsefondue in die Schweiz. Ob Hawkercenter, Strassenstand oder Restaurant; die "bescheidene Nudel" nimmt sowohl unter den Einheimischen, als auch bei den Touristinnen und Touristen einen besonderen Platz ein[1]. Es gibt sie hier in unzähligen Breiten und Längen und sie werden mit den unterschiedlichsten Zutaten angereichert.

Um für Challenge-Woche 45 "Feldforschung" zu betreiben, begeben wir uns deshalb am Sonntagmittag auf einen Gourmetausflug nach Chinatown. Während Marcello versucht, für uns ein Nudelgericht zu ergattern, mache ich mich auf die Suche nach passenden Fotosujets. Schon bald entdecke ich eine Familie, deren drei Mitglieder geschickt mit ihren Stäbchen hantieren und "Nudeln schlürfen". Vater Hong erklärt mir, dass es sich beim Gericht, um das bekannte "Laksa" handle. Die Grundbestandteile dafür seien Kokosmilch, Garnelen und dicke Reisnudeln. Angereichert werde das Gericht häufig mit Ei, Gemüse, Pouletfleisch oder Fischstücken. Chili, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Zitronengras würden alles abrunden. Für diese "Freude" komme er mit seiner Frau Lisa und Töchterchen Miya wöchentlich mehrmals ins Hawkercenter.

Damit ist er wohl nicht der einzige bekennende Laksafan Wie ich später bei meiner Recherche im Internet erfahre, handelt es sich bei den Laksa-Nudeln um "ein lokales Leibgericht"[2]. Denn, wie die Tourismusplattform "Visit Singapore" vermerkt, treffe Laksa, die perfekte Balance zwischen Würze und Kokosmilch. Deshalb handle es sich, um eine besondere Nudelsuppe, die die Geschmacksnerven kitzle.

Zwischenzeitlich hat es Marcello geschafft: satte 20 Minuten ist er für unsere Laksa-Degustation Schlange gestanden! Während er vom Gericht durchaus angetan ist, vermag es meine Geschmacksnerven nicht zu kitzeln; der vorherrschende Fischgeschmack ist für meinen Gaumen zu dominant.

Wie Joana Tang[3] schreibt, finden sich in den Laksa-Nudeln Einflüsse chinesischer, malaiischer und anderer Koch-Kulturen. Chinesische Einwanderer, die im 15. Jahrhundert im heutigen Singapur und Malaysia ankamen, kombinierten lokale Gewürze mit chinesischen Kochmethoden und Zutaten.
 
Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang sind wir - im weniger touristischen Hawker-Center – im Chinatown-Complex angekommen. Obwohl wir für unsere Laksa im Maxwell-Foodcenter umgerechnet nur 3.50 Franken bezahlt haben, liegen die Preise hier nochmals deutlich tiefer. Kein Wunder, dass auch hier überall Laksa geschlürft wird. Doch auch andere Nudelgerichte erfreuen sich grosser Beliebtheit. So treffen wir auf drei junge Frauen aus Myanmar, die uns von ihrem grossen "Mala-Nudeleintopf" vorschwärmen. Schon bald sitzen wir auch an ihrem Tisch, mit Schüsselchen und Stäbchen ausgerüstet und werden mit "bescheidenen Nudeln" verköstigt. Eine echte (Gaumen)-Freude!
 
Erst zu Hause nimmt mich doch noch etwas Wunder...
 
Wer hat eigentlich die Nudeln erfunden?
Drei Mal dürft ihr raten[4] ;-)...(?)!

PS: Und wiederum war es Marco Polo, der uns die Nudel nach Europa brachte!



[1] https://shopcosmiccookware.com/blogs/news/types-of-noodles-in-singapore
[2] https://www.simply-v.de/de/magazin/weltnudeltag-woher-kommt-die-nudel#:~:text=4.000%20JAHRE%20ALTE%20NUDELKÜCHE%20–%20WER,versiegelte%20Steingutschale%20mit%20Nudeln%20gefunden.
[3] https://www.nlb.gov.sg/main/article-detail?cmsuuid=6d5b6967-a680-4449-b3cc-91d03ab44dfd
[4] https://www.simply-v.de/de/magazin/weltnudeltag-woher-kommt-die-nudel#:~:text=4.000%20JAHRE%20ALTE%20NUDELKÜCHE%20–%20WER,versiegelte%20Steingutschale%20mit%20Nudeln%20gefunden.


Wochenthema: 

EIS

and the winner is...


WOCHE 44: 

EIS

Auftraggeberin: Pia Kaufmann
Veröffentlichung: 14. Juli 2024

Eis in Singapur? Klar doch, denn aufgrund der konstanten Hitze, die hier als Normalität gilt, herrscht täglich "Eiszeit"! Deshalb male ich mir die Challenge im Vorfeld kunterbunt aus. Die Fotos sehe ich bereits vor mir: Glacekugeln in den verschiedensten Farben; von vanillegelb zu beerenrot und pistachegrün, 
bis hin zu schokobraun. Dies wird natürlich alles, vor himmelblauer Kulisse, mitsamt seinen strahlenden "Schleckerinnen und Schleckern" abgelichtet. 

 

Doch daraus wird nichts! Als ich das bestehende Angebot, der mobilen Eisverkaufsstände inspiziere, stosse ich statt auf bunte Eiskugeln, auf Glaceblocks, die "uncharmant"

 in Kartons abgepackt sind. Das Angebot umfasst lediglich lokale Eissorten wie Zuckermais, rote Bohnen, Yamswurzel, Kokosnuss oder  Durian. Daraus schneidet der "Icecream-Man" Eistranchen, die er zwischen zwei Toastbrostscheiben klemmt. Seither weiss ich, dass man in Singapur Eissandwich isst und keine Cornets schleckt.

Erst jetzt registriere ich, dass auf den Strassen von Singapur verhältnismässig wenig "Schleckerinnen und Schlecker" unterwegs sind. Natürlich interessiert mich die Frage, nach dem "Warum". Im Internet stosse ich auf die Nachricht[1], dass sich mittlerweile "Benimm-Experten" mit dem "Geniessen von Speiseeis" beschäftigten. Diese vermerken, dass es nicht "Comme il-faut" sei, spazierend am Eis zu schlecken. Deshalb empfehlen sie, das Glace auf einer Parkbank sitzend und mit einem kleinen Löffelchen zu verspeisen. Dies verringere das "Klecker-Risiko" und verhindere, dass in der Öffentlichkeit, unhöflich die Zunge gezeigt werde.

 

Zwischenzeitlich habe ich mich entschieden, meine Challenge-Pläne zu ändern und "Wasser in gefrorenem Zustand" zu fotografieren. So bestelle ich im Internet eine Ladung Eis. Wenige Stunden später steht der "Ice-Man" mit Eiskugeln, Eiswürfeln und einem - neun Kilogramm schweren - Eisblock vor der Tür. Die gesamte Menge wartet nun im Eisfach auf mich, um von mir, in Szene gesetzt und abgelichtet zu werden. 

 

Doch irgendwie lässt mich die Recherche zum Thema Speiseeis noch nicht wirklich in Ruhe. Im "www" erfahre ich, dass nicht etwa die Italiener, sondern die Chinesen, Speiseeis erfunden haben[2]. Diese stellten es bereits 3000 v. Chr. aus zerstossenen Eiswürfeln und Fruchtsaft her. Dank Marco Polo, der ein Rezept für die Herstellung von Eis von einer Asienreise nach Venedig brachte, wurde die gefrorene Gaumenfreude in Europa immer populärer. So soll ein Patissier 1533 dafür gesorgt haben, dass die Hochzeit von Katharina de Medici, dank seines Fruchteissorbets als kulinarisches Erlebnis in die Geschichtsbücher einging.

Auf einer andern Plattform erfahre ich zudem, dass Vanille, die beliebteste Eissorte der Welt[3] ist und die Neuseeländerinnen und Neuseeländer - mit 28.3 Kilogramm pro Person und Jahr  - am meisten Eis verspeisen. Zudem verrät mir eine Statistik aus dem Jahr 2019[4], dass in Europa der Appetit auf Eiscreme unterschiedlich gross ist. Während die Estländer - mit 12.5 Kilogramm pro Jahr - damals am meisten Eis schleckten, befand sich die Schweiz - mit nur gerade 2.2 Kilogramm pro Kopf - abgeschlagen am Ende der Rangliste. 

 

Zwischenzeitlich habe ich mein Eis fotografiert und dabei die Wohnung in kürzester Zeit unter Wasser gesetzt. Sowohl Eiswürfel als auch Eiskugeln schmelzen in Rekordtempo dahin. Nur dem neun Kilo schweren Eisblock gefällt es scheinbar in seiner neuen Umgebung. Nur ich werde nicht so richtig warm mit ihm. So entscheide ich mich, ihn in unserem Swimmingpool zu versenken... 

 

...die Abkühlung wird ihm bestimmt gut tun! 

 

[1] https://www.swissmilk.ch/de/rezepte-kochideen/16-dinge-die-du-ueber-glace-noch-nicht-wusstest/
[2]https://www.bdsi.de/fileadmin/redaktion/Fotos_Warengruppen/BDSI_Bilder/230509_BDSI_EisFunFacts_RZ_RGB-JPG_.pdf [3] https://nielsenmassey.com/top-ice-cream-flavors-around-the-world/
[4] https://de.statista.com/infografik/14787/die-groessten-eisesser-europas/#:~:text=Im%20Schnitt%2012%2C5%20Kilogramm,4%20Kilo%20Eiscreme%20im%20Jahr

Wochenthema: 

VÖGEL

and the winner is...


WOCHE 43: 

VÖGEL

Auftraggeberin: Rita Vassali
Veröffentlichung: 7. Juli 2024

Wer mich kennt, dürfte wissen, dass ich ein grosser Fan von Statistiken bin. Bereits als Achtzehnjährige habe ich für ein Marktforschungsinstitut gearbeitet und Menschen über ihren Fernsehkonsum, über ihre politische Einstellung oder über ihr "Vertrauen in Schweizer Grossbanken" (damals gab es noch ganz viele;-) gestellt. Seither zieht mich (fast) alles, was mit Grafiken, Skalen oder Tabellen dargestellt wird, physisch an. Egal, ob es sich um den "Pro-Kopf-Verbrauch von Käse in Asien", um "Durschnittsgrössen von Frauen weltweit" oder um den "Männeranteil im Lehrerberuf in der Schweiz" geht: ich liebe es, wenn aus gesammelten Daten, prägnante Rückschlüsse gezogen werden können und Entwicklungen sichtbar werden!
 
So war es auch am vergangenen Samstag. Ich war – nach zwei Wochen Bettruhe – im "Bird Paradiese Singapore", wo die Ausstellungsmachenden, bunt und grossflächig, interessante Zahlen und Fakten über Vögel präsentierten. Spannend und – wie ihr sehen könnt – nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern durchaus auch lehrreich:
 
Denn habt ihr gewusst...
o   dass es weltweit fünfzig Milliarden Vögel gibt? Dies entspricht sechs Vogelexemplaren pro Mensch[1].
o   dass es weltweit 11121 Vogelarten gibt?
o   dass der Spatz, mit 1.6 Milliarden Artgenossen, der häufigste Vogel der Welt ist?
o   dass in Asien 3912 Vogelarten vorkommen?
o   dass dagegen in Europa nur gerade 928 unterschiedliche Exemplare gesichtet wurden?
o   dass in Kolumbien die Artenvielfalt - mit 2016 unterschiedlichen Exemplaren - am grössten ist?

Natürlich gibt es im "Bird Paradies" die Vögel auch in echt! 5000 Vögel aus 400 verschiedenen Arten pfeifen, piepsen, singen, flöten und trillern in einer weitläufigen Landschaft um die Wette. Dabei wurde überall vorbildlich darauf geachtet, den natürlichen Lebensraum der Tiere nachzuahmen. So gut, dass die "Penguin Cove" mit dem "Platinum BCA Green Mark Award" für grüne Innovation ausgezeichnet wurde. Denn mit eisigen Temperaturen und einem kalten Salzwasserbecken für Esels-, Königs- und Felsenpinguine simuliert die Ausstellung die Bedingungen in der Nähe des Südpols. Man hat an alles gedacht, sogar an das Beleuchtungssystem, welches - je nach Jahreszeit – die Lichtverhältnisse in der Antarktis nachbildet.
So stehe ich über eine Stunde an der riesigen Fensterfront und sehe den tollpatschigen Tieren ganz fasziniert beim Essen, Tauchen, Eier Legen und Brüten zu... PARADIESICH!
 
PS: Kaum zu Hause, brüte ich schon wieder über einer Statistik[2]. Demnach leidet die Hälfte der 11121 Vogelarten unter - teils sehr starken - Bestandeseinbussen. Nur sechs Prozent aller Vogelspezies nimmt an Zahl zu. Besonders hart getroffen, hat es nicht etwa seltene Arten, sondern solche, die früher sogar besonders häufig waren. So gibt es heute im Vergleich zu 1980 nur noch halb so viele Hausspatzen. Wie das Umweltinstitut[3] bekanntgibt, zählen die industrielle Landwirtschaft, die Zerstörung von Lebensräumen sowie die Vergiftung und Vermüllung der Umwelt zu den wichtigen Gründen für den rasanten Verlust.


[1] https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/voegel-wieviele-voegel-gibt-es-weltweit100.html#:~:text=Jetzt%20kommt%20aus%20Sydney%20die,und%209.700%20einzelnen%20Vogel%2DArten.[2] https://www.spektrum.de/news/artensterben-haelfte-aller-vogelarten-weltweit-mit-bestandsrueckgang/2020357[3] https://umweltinstitut.org/landwirtschaft/artensterben-voegel/ 


WOCHE 42: 

Achtsamkeit

Auftraggeberin: Anita Reichlin
Veröffentlichung: 30. Juni 2024


Bereits seit einigen Tagen liege ich krank im Bett, denn das Virus, welches vor vier Jahren die ganze Welt auf den Kopf gestellt hat, hat nun auch mich das erste Mal heimgesucht. Die Symptome kommen und gehen und wechseln sich unberechenbar und hartnäckig ab. Ausgerechnet in der Challengewoche zum Thema Achtsamkeit muss ich mich deshalb– wohl oder übel – in Geduld, Gelassenheit und Achtsamkeit üben. Ob Zufall oder Schicksal?
 
Achtsamkeit – oder Mindfulness -ist seit einiger Zeit in aller Munde. Wie der "Tagesspiegel"[1] berichtet, rief bereits 2014 das amerikanische "Time Magazine" auf seinem Cover die "Mindful Revolution" aus und pries Achtsamkeit als Weg aus dem Hamsterrad des Alltagsstresses. Gemäss INC[2] soll auch Steve Jobs, diese Meditationstechnik regelmässig praktiziert haben, um seinen Stress abzubauen, mehr Klarheit zu erhalten und seine Kreativität zu steigern.

Gemäss Thamami Shirai[3], handelt es sich bei Achtsamkeit, um einen Begriff, der eigentlich aus dem Buddhismus stammt und in der Kultur Asiens bereits seit über 2000 Jahren fest verwurzelt ist. Seit "der Westen" nach und nach Facetten davon übernommen und für sich entdeckt habe, würden viele Asiatinnen und Asiaten den westlichen Ansatz ablehnen und ihn als "McMindfulness" belächeln. Die grundlegendste Idee der östlichen Philosophie – so erklärt Zhenya Zerkalenkov [4] – sei das Leben im gegenwärtigen Moment. Dabei gehe es nicht, um das Vergessen der Vergangenheit oder der Zukunft, sondern darum, die volle Aufmerksamkeit auf das "Hier und Jetzt" zu richten. Denn nur wer in der Gegenwart lebe, könne die Schönheit des Lebens und alles, was es zu bieten habe, besser schätzen.

In ostasiatischen Ländern geniesst die Philosophie des "Stillen und Stetigen" einen hohen Stellenwert. Wie ich bei meinen weiteren Recherchen nachlese[5], wird deshalb Ruhe und freier Raum als kostbar empfunden und Konzentration, Hingabe, Entschlossenheit und Achtsamkeit gelten als erstrebenswert. Anders als in westlichen Ländern, ist deshalb das moderne Asien nicht vom extravertierten Ideal dominiert[6]. Im Gegenteil: Die bei uns eher unterschätzten introvertierten Eigenschaften wie "Besonnenheit und Bescheidenheit" gelten in Asien als Erfolgsrezepte. Deshalb werden empfindsame Kinder von ihren Eltern schon früh für ihr besonders achtsames Verhalten gelobt. Im Gegensatz dazu wird lautes, lebhaftes und rücksichtsloses Auftreten kritisiert. Derweil - so schreibt Kerstin Kullmann[7] - machen sich in Mitteleuropa Eltern Sorgen, wenn sie den Eindruck haben, dass ihr Nachwuchs zu wenig lautstark und durchsetzungsfähig sei. Denn sie befürchten, dass es ihr ruhebedürftiges, in sich gekehrtes und scheues Kind im Leben schwerer haben werde. Verkehrte Welten?

Zwischenzeitlich ist es Donnerstag und – nach neun Tagen Corona – geht es mir besser. Endlich spüre ich, die zurückkehrende Lebensenergie. Da ich jedoch noch immer etwas geschwächt bin, entscheide ich mich für ein "Foto-Shooting" in unserer Wohnung. So kommen sämtliche Zeitschriften und Bücher, mit denen ich mir die vergangenen Tage die Zeit "totgeschlagen"habe, zum Einsatz. Ich beginne Wörter und Sätze auszuschneiden, aufzukleben und nach passenden Bildern zu suchen. Mit dem Blick durch eine Glaskugel beginne ich mit den Wörtern zu experimentieren und sie zu fotografieren. Durch minimale Veränderungen und winzige Drehungen entstehen neue Perspektiven und klare Durchblicke:
Der achtsame Umgang lohnt sich auch hier!


[1] https://www.tagesspiegel.de/kultur/die-gefahrlichen-folgen-der-achtsamkeitslehre-4092418.html[2] https://www.inc.com/geoffrey-james/how-steve-jobs-trained-his-own-brain.html#:~:text=Your%20mind%20just%20slows%20down,and%20its%20Chinese%20antecedent%2C%20Taoism.[3] https://www.saybrook.edu/unbound/mindfulness-mcmindfulness-asian-cultures/[4] https://www.travelcontentcreators.com/7-ideas-eastern-philosophy/[5] http://sage-und-schreibe.dorismaertin.com/warum-leise-menschen-in-asien-mehr-gelten/[6] https://www.derstandard.at/story/2000124129868/plaedoyer-fuer-die-introvertierten-in-einer-lauten-welt-hoert-auf[7] https://www.spiegel.de/spiegelwissen/psychologie-staerken-der-introvertierten-a-1042417.html