Wochenthema: PERANAKAN

 and the winner is... 

WOCHE 54: 

PERANAKAN

Auftraggeberin: Noemi Jud
Veröffentlichung: 24. November 2024

Peranakan? Immer wieder stolperte ich über das Wort PERANAKAN. Ehrlich gesagt, hätte ich vor 14 Tagen – oh Schande! – kaum erklären können, was es eigentlich bedeutet. Doch dann kam Challengewoche 54, und plötzlich konnte ich nicht nur PERANAKAN korrekt aussprechen, sondern wäre aktuell durchaus auch in der Lage einen kleinen Vortrag darüber zu halten ;-).

Für viele mag der Begriff fremd klingen. Doch wer in Singapur lebt oder jemals hier war, wird schnell merken: PERANAKAN ist überall. Schon in den ersten Wochen meines Aufenthalts klärte mich mein erster Englischlehrer Shamus über diese faszinierende Kultur auf – mit einer Begeisterung, die ich bis heute bewundere. Als die Challengewoche mich dann dazu brachte, tiefer zu graben, wurde mir klar, warum er so ins Schwärmen geriet ...

Der Begriff PERANAKAN stammt aus dem Malaiischen und bedeutet "hier geboren". Die Geschichte dieser Kultur reicht ins 15. Jahrhundert zurück, als chinesische Händler in Malakka einheimische malaiische Frauen heirateten. Daraus entstand eine einzigartige Gemeinschaft, die chinesische Traditionen mit malaiischem Einfluss verband[1]. Später brachte die britische Kolonialzeit eine dritte Komponente hinzu: Englisch. Die Peranakan wurden dreisprachig und avancierten zu kulturellen wie wirtschaftlichen Brückenbauern. Viele konvertierten zum Christentum, das heute nach dem Buddhismus die zweitgrösste Religion in Singapur ist[2].

Bekannt sind die Peranakan auch für ihren ausgesprochener Sinn für Ästhetik[3]. So vereinen ihre Häuser, die Kolonialarchitektur mit einer Explosion aus Farben: kunstvoll verzierte Fensterläden, filigrane Kacheln und bunte Fassaden prägen ganze Viertel. Diese Meisterwerke, eingerahmt von modernen Wolkenkratzern, stehen heute als lebendige Zeugen einer faszinierenden Vergangenheit.

Dank der Challenge schaffte ich es letzten Samstag endlich ins Peranakan-Museum. Zusammen mit Marcello tauchte ich bei einer Führung in die Geschichte ein – und war hin und weg. Die Ausstellungsstücke zeigten nicht nur die kunstvolle Handwerkskunst der Peranakan, sondern zeugten auch von ihrem Reichtum und ihrer Liebe zum Detail. So bestaunten wir aufwendig bemaltes Porzellan, farbenfrohe Kleidung und kunstvoll gearbeitete Schmuckstücke: es war wie eine Zeitreise in eine Welt voller Farben und Eleganz. Glücklicherweise war blitzloses Fotografieren erlaubt, und – wie man sehen kann – habe ich fleissig geknipst.

Zeigt uns nicht das Beispiel der Peranakan, wie wichtig Toleranz und Neugier sind, um voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen? Rückblickend wird mir immer klarer, wie besonders diese Kultur ist. Sie schaffte es, Tradition und Offenheit harmonisch zu vereinen, verschiedene Religionen und Kulturen miteinander zu verbinden und dennoch einen eigenständigen Weg zu gehen. Vielleicht liegt genau darin ihr wertvollstes Vermächtnis: eine eindrucksvolle Erinnerung daran, wie bereichernd Vielfalt sein kann.

[1]  https://www.visitsingapore.com/de_de/see-do-singapore/culture-heritage/heritage-discovery/peranakan-museum/[2]https://www.nlb.gov.sg/main/article-detail?cmsuuid=1138ea9d-9dbe-4f09-9fef-ba2c7105eb91#:~:text=Although%20the%20Peranakans%20historically%20practised,some%20embraced%20Christianity%20or%20Catholicism[3] https://storm-asia.com/what-makes-the-peranakans-special/ 

Wochenthema: FARBENFROH

 and the winner is... 

WOCHE 53: 

FARBENFROH

Auftraggeberin: Gina Lustenberger
Veröffentlichung: 17. November 2024

FARBENFROH? Was liegt da näher, als für diese Challenge einen Ausflug nach Little India zu machen? Kein anderer Stadtteil Singapurs strahlt so viel Farbe und Leben aus wie dieses kleine, lebendige Viertel. Auch für Influencerinnen und Instagram-Enthusiasten ist es ein Magnet: Die Wände und Strassen bieten die perfekte Kulisse für farbenfrohe Bilder.

So stehen Marcello und ich am Sonntag in der überfüllten MRT auf dem Weg nach Little India. Um uns herum: Männer aus Indien, Bangladesch und Sri Lanka. Sie arbeiten meist in Bau- oder Industriejobs, leben oft am Stadtrand und haben nur sonntags frei. An diesem Tag strömen sie hierher, um ein Stück Heimat zu erleben – der Duft nach Curry, Gespräche in ihrer Muttersprache und vertraute Gerichte lassen Erinnerungen aufleben.

Überall sitzen Menschen, essen in kleinen Gruppen und geniessen die vertrauten Aromen exotischer Gewürze. Frauen in leuchtenden Saris ziehen die Blicke auf sich, viele posieren vor dem kunterbunten "Tan Teng Niah House" für Fotos – nicht für soziale Medien, sondern für die Familien daheim. Die Bilder sollen Freude bereiten und ein Lebenszeichen senden, das den oft grauen Alltag in Singapur überstrahlt.

Obwohl ich ursprünglich die bunten Hausfassaden, Girlanden und Blumenketten fotografieren wollte, lasse ich mich von der Atmosphäre inspirieren und frage einen Mann im rosafarbenen Anzug, ob ich ein Foto machen darf. Er lächelt stolz und erzählt von Diwali und seinen drei Kindern, die auf seine Rückkehr warten. Bald fotografiere ich auch andere: Zwei Männer, die vom Einkaufen kommen und von den Gerichten erzählen, die sie kochen wollen; zwei Männer mit Turban; eine Gruppe Frauen in bunten Saris – alle möchten für einen Moment im Rampenlicht stehen.

Für diese Stunden wird das Leben hier lebendig und FARBENFROH. Die Sonntage in Little India sind mehr als nur ein Ausflug – sie lassen die Menschen in ihre Kultur eintauchen und geben ihnen ein Stück Heimatgefühl zurück. Mit jedem Lächeln und Gespräch nehmen sie ein wenig von dieser bunten Lebendigkeit mit zurück in den Alltag – ein Hauch FARBE, der sie die Woche über begleitet...


Wochenthema: BEAUTY

 and the winner is... 

WOCHE 52: 

BEAUTY

Auftraggeber: Sascha Wagner
Veröffentlichung: 10. November 2024

Wer erinnert sich noch an die legendären Miss-Schweiz-Wahlen?
Ja, ich gebe es zu – um die Jahrtausendwende sass ich jedes Jahr gespannt vor dem Fernseher und verfolgte das Spektakel! Damals wurde ich Zeugin, wie Christa Rigozzi, Anita Burri, Fiona Hefti oder Melanie Winiger das begehrte Krönchen erhielten und zu nationalen Schönheitsikonen aufstiegen. Aber der Weg dahin war alles andere als einfach: Runde um Runde mussten sie in eleganten Abendkleidern und knappen Bikinis die Jury und das Publikum begeistern. Die Show war ein Hit, die Einschaltquoten riesig, und die Presse verfolgte jede Kandidatin und die frischgekrönte Miss wie einen Superstar.

Heute kräht – zumindest in der Schweiz – kein Hahn mehr nach diesen Wahlen, und das ist auch gut so! Der Zeitgeist hat sich gewandelt. Wo solche Wahlen noch stattfinden, werden das vermittelte Frauenbild und der Fokus auf Äusserlichkeiten zunehmend kritisiert. Stattdessen setzt man jetzt auf "People 

Models", denn echte Persönlichkeiten sind gefragt!

Ob es an meiner Nostalgie lag? Inspiriert von den Erinnerungen an die Misswahlen machte ich mich diese Woche auf die Suche nach meinen 18 Kandidatinnen für die BEAUTY-Challenge. So stand ich in der Arab Street und beobachtete die vorbeiziehenden Passantinnen. Eine Sache fiel mir dabei sofort auf: Wimpern, so lang und dicht, dass ein Ventilator neidisch würde. Eine einfache Wimperntusche reicht hier längst nicht mehr aus. In Singapur boomen Lash-Studios, und Frauen investieren ordentlich in künstliche Wimpern und regelmässiges Auffüllen. Der Trend zur makellosen Porzellanhaut, aufgespritzten Lippen, perfekt geformten Augenbrauen und auffälligen Gelnägeln in allen erdenklichen Designs ist ebenfalls nicht zu übersehen.

Trotz allem fand ich meine BEAUTYS, die sich bereitwillig fotografieren liessen und mir spannende Geschichten über ihr Leben erzählten. Das Shooting mit diesen beeindruckenden Powerfrauen - aus aller Welt - hat jedenfalls riesigen Spass gemacht! Darunter war sogar eine bekannte chinesische Influencerin und – der absolute Höhepunkt – Singapurs Schönheitskönigin von 2015/2016!

Mein Line-Up war am Ende eine Hommage an das Titelcover der Schweizer Illustrierten von damals: 18 junge Damen strahlend und vielfältig!
Aber die Frage bleibt: Waren sie wirklich schöner als die anderen? Entscheidet selbst! 
Denn wie Thukydides schon sagte: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ 
Wen würdet ihr wählen?

PS:  DEAR MODELS, thank you  for your willingness to be part of the project. 

Wochenthema: UNSICHTBAR

 and the winner is... 

WOCHE 51: 

UNSICHTBAR

Auftraggeber: Jost Ettlin
Veröffentlichung: 3. November 2024


Das Challengethema UNSICHTBAR  liegt mir schon seit Wochen wie ein Fels im Magen. Die Frage, welche Dinge unsichtbar sind, lässt sich schnell beantworten: Töne, Luft, Stille… ! Dies klingt zwar alles grossartig, doch wie fotografiert man das? Google wird ebenfalls zum Thema befragt und bringt mich auf die Idee, Wasser in seiner unsichtbaren Form abzulichten. Fotos von Wasserdampf? Auch das erscheint mir letztlich zu eintönig.

Also frage ich, wie so oft, meine Englischlehrerin Jen um Rat. Ihr Vorschlag: „Mach dich selbst UNSICHTBAR! Versteck dich im Gebüsch und knipse Fotos von Passantinnen und Passanten.“ Ein wenig James Bond, aber… nein. Schlussendlich würden es ganz normale Fotos werden – da brauche ich keine Sträucher dafür. Trotzdem bleibt der Gedanke hängen. Ich frage mich: Wie wäre es eigentlich, UNSICHTBAR zu sein?

In meinen Erinnerungen taucht der Film «Gulias Verschwinden[1]» auf. Eine Frau bemerkt an  ihrem 50. Geburtstag, dass sie plötzlich wie Luft - UNSICHTBAR - ist. Da mich das Thema nicht mehr loslässt, suche ich nach Erklärungen im Internet und erfahre – Google sei Dank –, dass es tatsächlich etwas gibt, das «Invisible Woman Syndrom [2]» heisst. Frauen ab 52, so heisst es im Text, fühlen sich zunehmend unsichtbar und übersehen. Da verschwindet man also schon, bevor man’s selbst merkt? Und Männer? Laut den Berichten verschwinden sie – natürlich – erst viel später aus dem Sichtfeld (mit 64, wie ich herausfinde – typisch!).

Diese Gedankengänge bringen mich jedoch nicht weiter, und mein Magen meldet sich erneut, doch dann – DIE Rettung! Am Sonntag stolpere ich in der Sonntagszeitung [3] über den Artikel «Trend zum Kleinen». Mikro-Dates, Mikro-Trauma, Mikro-Wohnungen – alles soll möglichst überschaubar bleiben, um in dieser übergrossen Welt den Überblick zu behalten. Ein Satz der Autorin Tina Huber bringt es auf den Punkt: „Im Kleinen und Privaten liegt das Glück, denn da ist die Welt überschaubar.“

Voilà, die zündende Idee: Mikrofotografie! Ich schnappe mir meine Kamera, kaufe mir eine Mikrolinse im Secondhand-Laden, und los geht’s – ein Park hier, ein Busch dort, und plötzlich entdecke ich eine Miniaturwelt voller Leben: Ameisen, Käfer, Fliegen und Heuschrecken. Ein Universum, das mir vorher völlig verborgen – UNSICHTBAR – war! Mit jedem Klick lerne ich, schärfer zu sehen, und tauche tiefer ein in diese verborgenen Details. Das UNSICHTBARE wird sichtbar, und mit jedem Spaziergang wächst meine Begeisterung.
Und wisst ihr was? Ich war so im Flow, dass ich prompt die Schule geschwänzt habe. Vielleicht hat’s ja keiner bemerkt – angeblich sind Frauen ab 52 doch unsichtbar! Wer weiss – vielleicht ist das der grösste Vorteil an diesem «Invisible Woman Syndrom»!

[1] https://der-andere-film.ch/filme/filme/titel/ghi/giulias-verschwinden[2] https://insights.ibx.com/coming-to-terms-with-invisibility-and-ageism/[3] https://www.tagesanzeiger.ch/mikro-feminismus-und-abenteuer-wieso-ist-ploetzlich-alles-micro-236911759375




UNSICHTBARES, SICHTBAR MACHEN...