Wochenthema:
ROSA
and the winner is...
WOCHE 66:
ROSA
Auftraggeberin: Nadine Lussi
Veröffentlichung: 23. Februar 2025
Wie sehr habe ich mich über die Themenwahl von Nadine gefreut! Rosa liegt im Trend und ist längst nicht mehr nur die Farbe für kleine Mädchen. Heutzutage dürfen auch gestandene Frauen – wie beispielsweise ich – Rosa tragen. Noch erfreulicher ist, dass sich Rosa auch in der Männerwelt etabliert hat. Mein Bruder – Banker und Politiker – sprang vor einigen Jahren auch auf den Trend auf und kaufte sich ein Businesshemd in Rosarot (auch wenn er behauptet, ich hätte ihn dazu überredet ;-)). Vor zehn Jahren sorgte Ronaldo mit seinen rosafarbenen Fussballschuhen dafür, dass ich in der Sportstunde plötzlich Jungs mit rosaroten Turnschuhen unterrichtete.
Die Zeiten haben sich geändert. In den frühen 80ern, als Rosa nach den violetten Jahren als neue Trendfarbe angepriesen wurde, glaubten meine Freundin Petra und ich an die Prognose. In der «Handsgi» nähten wir uns beide einen Stufenjupe in Rosa und Pink. Doch die Welt war noch nicht bereit – das gute Stück landete fast ungetragen im Caritas-Kleidersack.
Dabei spricht so vieles für Rosa. Die Farbe steht für Mitgefühl, Fürsorge und Liebe. Sie ist feminin, romantisch, nachdenklich und sanft. Rosa beruhigt, besänftigt emotionale Energien und mildert Aggressionen[1]. In der Farbpsychologie gilt sie als Farbe der Hoffnung, die aufmunternd und ausgleichend wirkt. Selbst in Gefängnissen oder therapeutischen Einrichtungen werden harte Jungs in rosa Räumen sanfter.
Doch Rosa ist auch kulturell nicht unbelastet. Im Dritten Reich wurde Pink zur Kennzeichnung homosexueller Männer in Konzentrationslagern genutzt. Gleichzeitig hatte Rosa über die Menschheitsgeschichte hinweg unterschiedliche Bedeutungen – es stand für Kolonialisierung, Macht, Geschlechtsidentität und sogar Männlichkeit[2]. Ursprünglich galt Rosa als das kleine Rot, eine Signalfarbe für Jungen, während Mädchen Blau trugen – die Farbe der Jungfrau Maria. Erst in den 1960er-Jahren wurde Rosa schliesslich zur typischen Mädchenfarbe[3].
Für die Fotochallenge zog ich mit Marcello los in den Botanischen Garten, um die rosarote Blumenpracht mit meinem Makroaufsatz einzufangen. Es war einfach «AMAZING», die unzähligen Rosatöne im Detail zu studieren – ein Farbenmeer, das von sanftem Pastell bis zu leuchtendem Pink reichte. Am Ende war ich regelrecht geflasht. Vielleicht habe ich doch eine Überdosis Rosa konsumiert?
Als ich die Aufnahmen zu Hause betrachtete, musste ich schmunzeln: Rosa hat die Kraft, die Welt in einem anderen Licht erscheinen zu lassen; lebendiger, hoffnungsvoller. Vielleicht ist es genau das, was Rosa so besonders macht. Denn mit der rosaroten Brille betrachtet, erscheint alles nicht nur zehn Mal besser, sondern hundert Mal schöner. Und wer kann schon behaupten, dass ein bisschen mehr Schönheit im Leben schadet?
[1] https://farbtonkarte.de/farbe-rosa-bedeutung-hex/[2] https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2023/07/pink-aelteste-farbe-der-welt-barbies-traumhaus-kleidung-gesellschaft[3] https://praxistipps.focus.de/rosa-bedeutung-der-farbe-in-kultur-und-psychologie_110322
Wochenthema:
TABU
and the winner is...
WOCHE 65:
TABU
Auftraggeber: Ivo Kilchmann
Veröffentlichung: 16. Februar 2025
Tabu? Allein dieses Wort hat mir schon Wochen vor der Challenge Kopfzerbrechen bereitet. Da hat mir jemand aber ein echtes Ei ins Nest gelegt! Vielleicht war es nicht die beste Idee, diese "Wochenaufgaben" als "Challenge" zu verkaufen? Denn - SCHEIBE - Ivo hat es wörtlich genommen und mir eine echte Herausforderung verpasst.
Zum Glück meint es der Grossteil von euch gut mit mir. Ihr lasst mich entspannt auf ABEND-Spaziergang gehen, eine KUNST-Ausstellung besuchen oder die PFLANZEN im Botanischen Garten fotografieren. Ich freue mich auf die ROSAROTEN Bilder für Nadine und die GOLDENEN für Karin – eine fast meditative Aufgabe.
Doch manchmal bekomme ich eben richtige Brocken vorgesetzt. Während ich beim Thema Erotik – dank meines tätowierten Coiffeurs Darren – noch knapp die Kurve gekriegt habe und meinen Auftraggeber Fredi einigermassen zufriedenstellen konnte, droht mir beim Thema Tabu das totale Scheitern.
Inzwischen weiss mein ganzes Umfeld Bescheid. Sie wissen, dass ich diese Woche mit "Tabu" kämpfe und beinahe am Verzweifeln bin. Natürlich habe ich wie immer Rat eingeholt – bei meinen Classmaids, Lehrer Sam, Olivia vom Müsli-Shop und unseren Singapurischen Freunden. Und wirklich ALLE denken an dasselbe!
Kurzzeitig bin ich entschlossen und nehme mir vor, auf die Suche nach den "leichten Mädchen" zu gehen. Doch die Ernüchterung folgt schnell. Die Szene, die ich letzten Sommer mit Noah in Little India beobachtet habe – als sich zufällig eine Haustür öffnete und die ganze Treppe voller leichtbekleideter indischer Girls war – wird sich kaum wiederholen.
Ja es gibt sie, die legale Sexszene im sonst eher biederen Singapur: Massagesalons, Sauna-Spas, Bordelle – alles vorhanden. Ein kurzer Blick ins Internet verrät mir, dass Prostituierte hier regelmässig Gesundheits-Checks machen und stets eine Gesundheitskarte bei sich tragen müssen. Das Zentrum dieser Szene liegt in Geylang[1].
So schlägt mein Lehrer Sam vor, dass ich dort die Sexspielzeugautomaten fotografiere. Olivia will mich ebenfalls nach Geylang schicken, warnt aber: Fotografieren dort könne gefährlich werden. Hm. Rote Lichter ablichten? Zu langweilig. Und das Wörtchen "gefährlich" motiviert mich auch nicht gerade.
Zum Glück bringen mich Cindy und Webster – unsere einheimischen Freunde – auf eine andere Idee: Rauchen! Und tatsächlich: Raucher sind in Singapur nicht gern gesehen. Während E-Zigaretten schon seit 2018 verboten sind, werden auch Tabakrauchende - wortwörtlich - an den Rand gedrängt. Denn Rauchen ist nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt – kleine, klar abgegrenzte Vierecke mit einem Aschenbecher als Zentrum. In Restaurants, Shopping-Malls, Parks oder an Bushaltestellen? Strikt verboten! Trotzdem hat Singapur eine Raucherquote von 16,5 Prozent. Bei Frauen sind es gerade mal 4 Prozent, bei Männern hingegen 28 Prozent[2]. Und genau das hat sich auf meiner Fototour bestätigt: In den Raucherzonen dominieren die Männer. Am Ende war es also doch nicht so schwer, ein TABU zu fotografieren.
Ob Ivo sich allerdings genau das vorgestellt hat? Nun ja. Manchmal muss man eben kreative Wege gehen. Und wer hätte gedacht, dass ich am Ende in einem engen Viereck mit rauchenden Männern lande, statt im verruchten Geylang? Aber gut, Tabu ist Tabu – und ich kann immerhin behaupten, dass ich mich für diese Challenge ordentlich ins Zeug gelegt habe. Wortwörtlich!
[1] https://de.wikisexguide.com/wiki/Singapur [2] https://tobaccoatlas-org.translate.goog/factsheets/singapore/?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq
Wochenthema:
ABEND
and the winner is...
WOCHE 64:
ABEND
Auftraggeberin: Brigitte Venzin
Veröffentlichung: 9. Februar 2025
16.30 Uhr, Swimmingpool in Singapur. Ich sitze mit dem Laptop auf den Knien im Strandkorb und wälze mich in der absoluten Ideenlosigkeit. Nichts. Keine einzige zündende Idee für meinen Sonntagsmorgentext. Vielleicht liegt es an den gefühlten 100 Waschladungen, die ich dank Schimmelbefall hinter mir habe? Oder an der Sonne, die nach ebenso vielen Tagen endlich wieder scheint und mein Gehirn in einen trägen Tropenzustand versetzt?
Nach 30 Minuten unproduktiven Starrens kommt mir eine Idee. Ich könnte schreiben, dass es in Singapur immer um 7 Uhr abends dunkel wird. 152 Kilometer vom Äquator entfernt macht der Unterschied zwischen dem kürzesten und dem längsten Tag gerade mal neun Minuten aus. Die Dämmerung ist zwar vorhanden, aber nur von kurzer Dauer – innerhalb von etwa 20 Minuten taucht die Stadt vom sanften Abendlicht in die tropische Nacht ein.
Oder soll ich darüber berichten, dass der Abend in Singapur wohl die wichtigste Tageszeit ist? Tagsüber ist es oft so heiss, dass man sich lieber in klimatisierte Räume oder in den Untergrund verzieht. Doch sobald die Sonne untergeht und die Temperaturen auf angenehmere Werte sinken, erwacht das Leben. Jogger drehen ihre Runden entlang der beleuchteten Promenaden, Familien treffen sich auf den Spielplätzen, und in den Parks breiten sich Gruppen mit Picknickdecken aus. In Chinatown treffen sich die Senioren zu einer Runde Brettspiel und in Restaurants wird es richtig voll: Geschäftsleute, Studenten, Familien und Nachtschwärmer sitzen dicht an dicht, Löffel klappern gegen Schüsseln, Essstäbchen schnappen sich dampfende Dumplings, und überall duftet es nach gebratenen Nudeln, Satay-Spiessen und Chilikrabben.
Ich sehe auf die Uhr. 18.30 Uhr. Zwei Stunden habe ich nun auf diesen paar Zeilen herumgekaut. Höchste Zeit für einen ABENDspaziergang mit meinem Göttergatten. Vielleicht kommt mir dabei endlich eine Idee. Oder zumindest ein besserer Textschluss als dieser hier ;-)
Wochenthema:
ART
and the winner is...
WOCHE 63:
ART
Auftraggeberin: Maria Rodriguez
Veröffentlichung: 2. Februar 2025
Für die heutige Challenge begebe ich mich ins «Marina Bay Sands», denn dort findet – mit Hauptsponsor UBS – zum dritten Mal in Folge die Art Singapur (ART SG) statt[1]. Etwas sorgfältiger als sonst wähle ich mein Outfit und entscheide mich schliesslich für ein kleines Schwarzes, eine bunte Halskette und knallroten Lippenstift. Schliesslich möchte ich mich dem Publikum, auf das ich bei meiner Mission voraussichtlich treffen werde, anpassen.
Da es sich bei der Art Singapur um eine relativ neue Messe handelt, bin ich hinsichtlich Qualität und Umfang zunächst skeptisch. Doch bereits am Eingangsbereich zerstreuen sich meine Bedenken. Eine lange Schlange hat sich vor den Toren der Ausstellung gebildet, und ich treffe vorwiegend auf Menschen, die sich "interessant, eigenwillig und/oder auffällig" gekleidet haben. Nach dem Motto "teuer soll es sein" scheint eine Handtasche mit Wiedererkennungswert aus Frankreich zum guten Ton zu gehören – unauffällig auffällig im vier- oder fünfstelligen Preissegment. Das Publikum ist international, und so hört man Wortfetzen in den verschiedensten Sprachen.
Die Wartezeit nutze ich, um mich in den Unterlagen über die ART SG zu informieren. Ich erfahre, dass die Messe im vergangenen Jahr 45'000 Besucherinnen und Besucher sowie 105 Galerien aus 30 verschiedenen Ländern angelockt hat. Singapur, so wird betont, habe sich in kurzer Zeit zu einem wichtigen Kunstzentrum in Südostasien entwickelt, denn die Stadt liege an der Schnittstelle zwischen China, Indien, Malaysia und dem Westen. Wie ich vor meinem Besuch recherchiert habe, dominiert Hongkong den Kunstmarkt Asiens. Auch Peking, Shanghai und Tokio gehören zu den führenden Kunststädten. Singapur spielt dagegen eher in der zweiten Liga und buhlt aktuell mit Seoul um Platz fünf. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass sich unser Stadtstaat vor allem dank massiver staatlicher Förderung nach vorne gearbeitet hat[2].
Inzwischen bin ich drin und stehe mitten in einem eindrucksvollen "Kunst-Bad". Galerien buhlen mit unterschiedlichsten Werken um "Kund(ST)schaft". Auch ich bin beeindruckt von der Vielfalt und Qualität der Werke, die sich den Kunstinteressierten präsentieren. Doch was mich mindestens genauso fasziniert, sind die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung. Staunend, aufmerksam, neugierig und unvoreingenommen betrachten sie die Kunstwerke. Ihren Blicken nach zu urteilen, sind sie beeindruckt, irritiert, verunsichert, erfreut, erheitert, inspiriert – eine Atmosphäre, die ich unbedingt fotografisch einfangen möchte. So komme ich wie so oft in einen Rausch und knipse, bis der Akku streikt.
Schade, doch im Wissen, dass es sich bei der ART Basel[3] um die grösste Kunstmesse weltweit handelt, freue ich mich bereits darauf, nächstes Jahr auch in Basel vor Ort sein zu dürfen – um Louis Vuitton, Gucci und Prada vor meine Linse zu bekommen ;-).
[1] https://artsg.com[2] https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/kunstmarkt/auktionen-globale-nachfrage-nach-kunst-aus-asien/100028193.html[3] https://www.artbasel.com/?lang=de