Wochenthema: 

GLÜCK IN ASIEN

 and the winner is... 

WOCHE 78: 

GLüCK IN ASIEN 

Auftraggeberin: Edith Schneeberger

 Veröffentlichung: 25. Mai 2025


"It is the encounters with other people that make life worth living."
– Guy de Maupassant

There’s a hint of wistfulness in the air today. After seventy-eight weekly challenge posts and nine summer specials, this is the end. Eighty-seven weeks in a row I’ve photographed, written, and told stories. For almost two years, working on a weekly theme was not only a creative challenge but also a rhythm I came to love. Photography became a heartfelt task, writing a mirror of my thoughts, and research a journey into the unknown. The challenge turned my worldview upside down, sparked new interests, and ignited my curiosity. Some topics came easily, others pushed me to my limits – and a few were so intense, they cost me sleepless nights. Thank you all for being part of this challenge.
Thank you for reading my words, looking at my photos, and walking this path with me.
It has been an honour to capture these moments for you.

And what could be a more fitting final theme than: “Happiness in Asia”? Because yes – I have found happiness. Or rather: happiness has found me. To me, happiness lies in the many people who’ve crossed my path over the past 24 months – some for just a fleeting moment, others for many months.
People with whom I’ve laughed, learned, sweated, debated, sung, danced, eaten and lived. 24 of them stood in front of my camera over the past few days. They are not simply portraits – they are part of my daily life, my journey, my happiness. Each of them carries a personal story.
And with the object they chose – something that brings them joy – a small piece of that story becomes visible.


These people have shaped my time in Asia. They are the reason why saying goodbye now feels a little heavy on the heart. It’s the small, often quiet encounters that mean so much:
a warm smile at the reception desk, a short conversation at the entrance, a shared laugh in passing.
Tiny gestures – yet full of value.

And then there are those special places where encounters run deeper. Like the English school, with its passionate teachers, helpful staff, and inspiring classmates from all over the world. The discussions about values, language, and society didn’t just sharpen my thinking – they deepened my understanding.

Even our gym became a small piece of home. There, we learned that sport doesn’t have to be a competition, but can be about togetherness – shared effort, shared singing, shared joy. A kind of connection that will stay with us.

And then there are the friendships that formed here. People with whom we shared culinary highlights, sipped countless coffees, and celebrated karaoke nights. Encounters that turned everyday life into something special – and left their mark. Friendships we will carry with us.


Of course, we’ve also learned how to say goodbye. In an international city like Singapore, arrivals and departures are part of daily life. That’s why some important faces are missing from this challenge – friends who have already returned to their home countries. Some reunions are already planned. And I’m certain: other paths will cross again.

Because sometimes, people touch our lives only briefly – yet leave a lasting impression. Others grow into meaningful connections over weeks or months. And then there are those rare, radiant encounters – the ones that stay. They offer closeness, trust, and a deep sense of connection.
And that’s exactly what I found here.


After all these weeks, one feeling remains: gratitude. For every encounter. For every story you shared with me. For the trust I was allowed to experience. And maybe this is what true happiness really is:
Not the big spectacle – but the quiet moments of genuine togetherness.
A smile. A hand. A conversation.

Happiness that stays.

.


„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“

– Guy de Maupassant


Ein Hauch Wehmut liegt in der Luft. Nach achtundsiebzig Wochen-Challenges und neun Sommer-Specials ist nun Schluss. Siebenundachtzig Wochen in Folge habe ich fotografiert, geschrieben und Geschichten erzählt. Fast zwei Jahre lang war die Arbeit an einem wöchentlichen Thema nicht nur eine kreative Herausforderung, sondern ein liebgewonnener Rhythmus. Das Fotografieren wurde zur Herzensaufgabe, das Schreiben zum Spiegel meiner Gedanken, die Recherche zu einer Reise ins Unbekannte. Diese Challenge hat meine Sicht auf die Welt verändert, neue Interessen geweckt und meine Neugier entfacht. Manche Themen flossen leicht, andere brachten mich an meine Grenzen – und einige raubten mir sogar den Schlaf.
Danke, dass ihr Teil dieser Reise wart.

Danke fürs Lesen, fürs Anschauen meiner Bilder – und fürs Dabeisein. Es war mir eine Ehre, für euch knipsen zu dürfen! 

Und was könnte ein passenderes letztes Thema sein als: "Glück in Asien"?
Denn ja – ich habe das Glück gefunden. Oder vielleicht hat es eher mich gefunden.
Für mich liegt das Glück in den vielen Menschen, die mir in den vergangenen 24 Monaten begegnet sind – manche nur für einen flüchtigen Moment, andere über viele Monate hinweg. Menschen, mit denen ich gelacht, gelernt, geschwitzt, diskutiert, gesungen, getanzt, gegessen und gelebt habe.

24 von ihnen standen in den letzten Tagen vor meiner Kamera. Es sind mehr als blosse Porträts – sie sind Momentaufnahmen meines Alltags, meiner Reise, meines Glücks. Jede dieser Personen trägt ihre eigene Geschichte in sich. Und mit dem Gegenstand, den sie selbst gewählt haben – etwas, was für sie Glück bedeutet – wird ein kleiner Teil dieser Geschichte sichtbar.

Diese Menschen haben meine Zeit in Asien geprägt. Sie sind der Grund, warum der Abschied nun ein wenig schwerfällt.

Es sind oft die kleinen, stillen Begegnungen, die so viel bedeuten:
Ein herzliches Lächeln am Empfang, ein kurzes Gespräch am Eingang, ein gemeinsames Lachen im Vorbeigehen.
Kleine Gesten – und doch voller Wert.

Und dann gibt es diese besonderen Orte, an denen Begegnung tiefer geht. Wie die Englischschule – mit ihren leidenschaftlichen Lehrkräften, hilfsbereiten Mitarbeitenden und inspirierenden Classmates aus aller Welt.
Die Gespräche über Werte, Sprache und Gesellschaft haben nicht nur mein Denken geschärft – sie haben mein Verständnis vertieft.

Selbst unser Fitnessstudio wurde ein kleines Stück Zuhause.
Dort haben wir gelernt, dass Sport nicht Wettbewerb sein muss, sondern Miteinander bedeuten kann – gemeinsames Schwitzen, gemeinsames Singen, gemeinsame Freude. Eine Art von Verbindung, die bleibt.

Und dann sind da die Freundschaften, die hier entstanden sind. Menschen, mit denen wir kulinarische Highlights geteilt, unzählige Kaffees getrunken und Karaoke-und Tanzabende gefeiert haben. Begegnungen, die den Alltag besonders gemacht – und Spuren hinterlassen haben. Freundschaften, die wir mitnehmen werden.

Natürlich haben wir auch gelernt, Abschied zu nehmen. In einer internationalen Stadt wie Singapur gehören Kommen und Gehen zum Alltag.
Deshalb fehlen auf dieser letzten Challenge auch einige wichtige Gesichter – Freunde, die inzwischen in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind.
Manche Wiedersehen sind schon geplant. Und ich bin sicher: Andere Wege werden sich erneut kreuzen. Denn manchmal berühren Menschen unser Leben nur für einen kurzen Moment – und hinterlassen doch einen bleibenden Eindruck. Andere Verbindungen wachsen über Wochen oder Monate. Und dann gibt es diese seltenen, leuchtenden Begegnungen – die, die bleiben. Sie schenken Nähe, Vertrauen und ein tiefes Gefühl von Verbundenheit.
 
Nach all diesen Wochen bleibt ein Gefühl: Dankbarkeit.
Für jede Begegnung. Für jede Geschichte, die ihr mit mir geteilt habt. Für das Vertrauen, das ich erfahren durfte. Und vielleicht ist das wahre Glück genau das:
Nicht das grosse Spektakel – sondern die stillen Momente wahrer Verbundenheit.
Ein Lächeln. Eine Geste. Ein Gespräch. Glück, das bleibt.

Wochenthema: 

MONOCHROM

 and the winner is... 


WOCHE 77: 

MONOCHROM

Auftraggeber: Ueli Enzmann

 Veröffentlichung: 18. Mai 2025

Am vergangenen Montag war in Singapur erneut ein Feiertag: Vesakh. Ein Tag, an dem weltweit Millionen von Buddhisten den Geburtstag Gautama Buddhas feiern. Gute Taten und gute Vorsätze stehen im Zentrum – und eigentlich auch bei uns. Ursprünglich hatten Marcello und ich eine kleine Weitwanderung geplant, eine Art "Mini-Pilgerreise" durch die singapurianische Wildnis. Doch mein lädiertes Steissbein meldete Protest an, noch bevor wir überhaupt den Rucksack gepackt hatten. Auch das geplante Fotografieren fiel sprichwörtlich ins Wasser – Singapur zeigte sich an diesem Feiertag von seiner besonders feuchten, grauen Seite.

Also beschlossen wir kurzerhand, den Feiertag trotzdem im Geiste Buddhas zu verbringen – mit einem guten Vorsatz: Wir würden heute mit den "Vorbereitungen für die Vorbereitung" unseres Umzugs zurück in die Schweiz beginnen. Die Wohnung wurde kritisch beäugt, Schubladen geöffnet, angestaubte Ecken erkundet. Alles, was sich in den letzten zwei Jahren angesammelt hatte, wanderte in die Kategorien behalten oder verschenken. 

Doch statt mich ganz der Entrümpelung zu widmen, begann mein Geist plötzlich abzuschweifen – ganz im Sinne eines zweiten guten Vorsatzes: Das vorletzte Challengethema Monochrom wollte ich neu denken. Laut Google bedeutet monochrom nämlich nicht zwangsläufig schwarz-weiss, sondern ganz schlicht einfarbig. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und findet – wie ich bei einer kleinen Recherche herausfand – auch in der Modewelt seinen Platz: Monochrome Outfits gelten als Zeichen von Stilgefühl, wirken beruhigend, entspannend und absolut en vogue.

Und so sortierte ich statt Umzugskisten plötzlich Farbfamilien. Wachsmalstifte, Gummibärchen und M&Ms wurden - je nach Farbe - den Himbeeren, Zitronen, dem Lippenstift  oder dem Haushaltschwamm zugeteilt. Die goldene Kategorie wurde besonders edel – mit Ferrero Rocher, Goldbesteck und ein bisschen Schmuck. Selbst die Büroklammern fanden ihre monochromen Kamerapartner: Sicherheitsnadeln, Schlüssel und Druckknöpfe posierten zusammen.

Ob ich dabei wirklich Farbgespür bewiesen habe? Unklar. Aber beruhigend und entspannend war es auf jeden Fall. Spätestens um 16 Uhr, als ich inmitten all dieser Farbsymphonien friedlich auf dem Sofa einschlief, war mir klar: Manchmal beginnt Aufräumen nicht im Schrank, sondern im Kopf. Und manchmal ist der beste Umzug der ins Reich der Fantasie.


Wochenthema: 

WASSER

 and the winner is... 

WOCHE 76: 

WASSER

Auftraggeber: Sämi Neeracher

 Veröffentlichung: 11. Mai 2025

Beinahe wäre mein drittletzter Challengebeitrag ins Wasser gefallen – buchstäblich. Auf einer Fotoexkursion im Botanischen Garten wollte ich das Schäumen und Tropfen aus nächster Nähe einfangen. Ich war – wie so oft – ganz im Flow, vertieft ins Spiel von Licht, Bewegung und Struktur. Ein Schritt, ein nasser Stein – und schon rutschte ich aus und landete samt Schuhen im Bachbett. Reflexartig hob ich meine Kamera über den Kopf. Während ich wie ein gebadeter Pudel – mit schmerzendem Steissbein – aus dem Wasser stieg, blieb meine Canon, von ein paar Spritzern abgesehen, vollkommen unversehrt. Die 124 Fotos, auf denen sich das Wasser Singapurs in verschiedenen Farben, Texturen und Formen zeigt, waren gerettet.

Wasser plätschert in Singapur überall: in Springbrunnen, Wasserspielen, Pools. Alles wirkt grün, üppig und feucht. Man könnte meinen, Wasser sei hier ein selbstverständliches Gut. Doch meine Recherche zeigt: Das Gegenteil ist der Fall...

Singapur zählt zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Es gibt keine natürlichen Frischwasserquellen, keine grossen Seen, keine schneebedeckten Berge, aus denen Schmelzwasser fliessen könnte. Und doch gilt der Stadtstaat heute als globales Vorbild für nachhaltiges Wassermanagement. Die Lösung liegt in einem Masterplan, der auf vier Säulen ruht: importiertes Wasser aus Malaysia, die Entsalzung von Meerwasser, das systematische Sammeln von Regenwasser – und NEWater: aufbereitetes Abwasser, das in einem mehrstufigen Verfahren gereinigt und teils sogar wieder trinkbar gemacht wird[1].

Rund zwei Drittel der Landfläche Singapurs dienen bereits der Regenwasserspeicherung. Von den Dächern wird das Wasser über ein dichtes Netz aus Kanälen und Reservoirs aufgefangen. Fünf moderne Entsalzungsanlagen – teils unterirdisch, teils als grüne Parks getarnt – versorgen die Bevölkerung zusätzlich. Und über ein ausgeklügeltes System aus Abwassertunneln und Hightech-Aufbereitung wird bereits heute fast ein Drittel des Wasserbedarfs gedeckt – Tendenz steigend[2].

Auch die Bevölkerung wird konsequent einbezogen: mit Förderprogrammen für wassersparende Geräte, mit Aufklärungskampagnen, mit digitalen Wasserzählern, die Lecks sofort melden. Es geht nicht nur darum, Wasser zu haben – sondern darum, es zu verstehen, zu schätzen und sorgsam zu nutzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten, wo Wasser als unerschöpflich gilt, hat Singapur den Umgang mit dem scheinbar Unerreichbaren neu gedacht. Statt sich auf natürliche Vorkommen zu verlassen, setzt man hier auf Wissen, Technologie – und Verantwortung[3].

Und so endet diese Woche mit einem Sprung ins kühle Nass – diesmal in unseren Swimmingpool, mit Bikini und ohne Kamera. Mein Steissbein meldet sich bei jeder Bewegung und erinnert mich daran, dass ich in dieser Woche nicht nur einmal ins Wasser gefallen bin – wortwörtlich, aber auch tiefer hinein in ein Thema, das mir vorher kaum bewusst war.


[1] https://www.dw.com/de/wie-singapur-seine-wasserkrise-bewältigt/a-70346682[2] https://www.beesmart.city/de/smart-city-blog/wassermanagement-singapur[3] https://germanwaterpartnership.de/wp-content/uploads/2019/09/ZMA-WasserLS.pdf

Wochenthema: 

BEWEGUNG

 and the winner is... 

WOCHE 75: 

BEWEGUNG

Auftraggeberin: Regula Heller

 Veröffentlichung: 4. Mai 2025

Übung macht den Meister? Oder war es doch: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen?  Beides trifft in meinem Fall zu. Und wie! Denn die 75. Ausgabe meiner Challenge war – man verzeihe mir das Bild – eine regelrechte Zangengeburt.

Dabei war ich dieses Mal ausnahmsweise erstaunlich früh dran. Schon am Freitag wusste ich, wie die Fotos am Ende aussehen sollten. Welch trügerischer Optimismus! Denn mein Vorhaben war ambitioniert: Ich wollte Bewegung nicht einfrieren, sondern einfangen. Klang in meinem Kopf nach Dynamik, nach Eleganz, nach Geschwindigkeit. 

Voller Elan stürzte ich mich ins Thema, klickte mich durch Tutorials, durchstöberte Foren und wurde dank YouTube zur «Panning-Expertin» – zumindest theoretisch. In der Praxis stellte sich heraus: Bewegung ist eine Diva. Es braucht das perfekte Zusammenspiel von Licht, Tempo, Kameraeinstellungen – und einer ruhigen Hand, die nicht so recht mitspielen wollte.

Vier Tage lang übte ich mich also im Schwenken. Während Tag 1 keine verwertbaren Resultate lieferte, zeigten sich an Tag 2 erste Lichtblicke. An Tag 3 schien ich kurz davor, das Schwenken nicht nur technisch, sondern auch seelisch zu meistern. Ich begann, mich mit der Bewegung zu versöhnen – wenn auch mit Muskelkater vom Motiv-Hinterherjagen.

Denn ja, ich blieb buchstäblich in Bewegung: Ich rannte Motiven nicht nur nach, sondern kletterte auch auf Türme, kroch durch Büsche und wurde mindestens drei Mal beinahe von einem Radfahrer über den Haufen gefahren. Aber ich blieb dran. Immer in der Hoffnung: Dieses eine Foto wird es sein.

War’s jedoch meistens nicht. Denn weder die Tiere im Zoo noch die Strassenüberquerenden Singapurs hatten das perfekte Tempo fürs perfekte Bild. Und nur fahrenden Autos hinterherzuschwenken – das erschien mir dann doch etwas zu eintönig.

Aber ich hielt durch. Und zum Glück lebe ich in einer Zeit, in der man Fehler machen darf. In der man experimentieren kann, ohne jedes Mal zehn Filme zu opfern. Ich darf verwackeln, verwerfen, von vorn beginnen – und das so oft ich will.

Und siehe da: Heute ist Sonntag. Die Fotos sind da, die Story auch. Ein bisschen schräg, ein bisschen verwackelt – aber voller Leben. Genau wie die Bewegung selbst. 

PS: Und natürlich übe ich weiter. Denn bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen..