Wochenthema: 

TOURISMUS

 and the winner is... 

WOCHE 62: 

TOURISMUS

Auftraggeberin: Coni Ettlin
Veröffentlichung: 26. Januar 2025

Aktuell herrscht Monsunzeit in Singapur. Dies bedeutet, dass es nicht nur in Strömen regnet, sondern aus Eimern schüttet! Nachdem ich fast eine Woche lang mit einer Grippe im Bett lag, ruft mich mein schlechtes Gewissen. Da es am Montagnachmittag ausnahmsweise einmal trocken ist, wage ich mich mit meiner Canon ins Freie, um endlich die Tourismusbilder einzufangen, von denen ich die letzten Tage geträumt habe. Was eignet sich da besser, als den «Merlion» im Stadtzentrum aufzusuchen?

Hier trifft sich die halbe Welt. Beim Wahrzeichen Singapurs handelt es sich um ein Fabelwesen, das den Kopf eines Löwen und den Körper einer Meerjungfrau vereint. Seit 1964 speit die 8,6 Meter hohe Figur Wasser und dient seither Touristen als beliebtes Fotosujet. Für viele von ihnen ist es das Ziel, ein Bild zu schiessen, in dem der Löwe ihnen Wasser in den Mund speit[1].

Und tatsächlich: Auch an diesem Montagnachmittag ist der Platz vor dem Denkmal voller Besucherinnen und Besucher. Alle versuchen, sich mit dem Fabelwesen abzulichten. Theatralisch werden Arme in den Himmel gestreckt, Münder weit geöffnet oder mit Fingern Herzchen geformt – jeder gibt sein Bestes, um ein unvergessliches Erinnerungsfoto zu ergattern. Die Stimmung ist ausgelassen, und immer wieder hört man Gelächter. Nur Wendy, die mit ihren Enkelkindern Singapur besucht, ist am Verzweifeln. Irgendwie scheint der kleine Ton das Fotogeheimnis beim Merlion noch nicht ganz verstanden zu haben. Auch mit der kleinen Lynn, die sich immer wieder ihre Schuhe ausziehen will, ist die Chinesin sichtlich überfordert. Natürlich helfe ich ihr gerne beim Fotografieren.

Auch Familie Liu aus Taipeh, die am Vormittag mit ihrem achtjährigen Sohn das Seaworld besuchte  und am Abend eine Nachtsafari gebucht hat, lässt sich von mir ablichten. Wie sie mir erzählen, bleiben sie drei Nächte in Singapur. Damit liegen sie genau in der durchschnittlichen Verweildauer[2]. Vina aus Bali, die etwas abseits sitzt, ist mit ihrem Mann hier. Mit Familie und Freunden geniessen sie Ferien in Malaysia und sind heute lediglich auf Stippvisite. Auch Hong und Edward, zwei junge Männer aus China, sind nur kurz hier, denn schon in acht Stunden fliegen sie weiter nach Bangkok. Singapur – so versichern sie mir – sei viel zu teuer.

Trotz Hochpreisen zieht Singapur viele Touristen an. Die Hotelbranche ist bestens gerüstet und verzeichnete 2023 einen Zuwachs von 3210 neuen Hotelzimmern. Im gleichen Jahr wurden über 13,6 Millionen Touristenankünfte verzeichnet[3]. Zwar lag dies noch immer 29 Prozent unter dem Vor-Covid-Rekord von 2019, doch dafür erscheint Singapur aktuell im Ranking der beliebtesten Städte auf Rang neun, hinter Sydney und noch vor Barcelona. Sieger beim Ranking ist mit einem Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr Bangkok[4]. Laut Statistik stammen sehr viele Touristen aus China, gefolgt von Indonesien und Indien. Besonders viele Gäste kommen auch aus Australien und Malaysia. Zudem schafften es im vergangenen Jahr über 90 000 Schweizerinnen und Schweizer nach Singapur. Hauptgrund für den Besuch ist bei 60 Prozent der Gäste Freizeit und Urlaub. 

Inzwischen hat sich der Himmel verdunkelt. Die ersten Schirme werden aufgespannt, und einige Touristen verlassen bereits das Spektakel. Während die Stimmung immer hektischer und nervöser wird, entdecke ich Lynn, die genussvoll an ihrem Merlion-Eis schleckt. Sichtlich stolz lässt auch sie sich sowohl von ihrer Mutter als auch von mir fotografieren. Kurze Zeit später – kurz bevor die nächste Sturmflut über uns einbricht – ergreifen jedoch auch sie die Flucht.

Zurück bleibt ein beinahe mystischer Moment: Die Menschen sind verschwunden, und der Merlion wirkt plötzlich wie ein stiller Zeuge der Zeit, inmitten des trommelnden Regens. Doch schon bald werden wieder Kinder lachend herumtollen und Touristen nach dem besten Winkel suchen, denn: 

„nach dem Sturm ist bekanntlich vor dem Sturm" – und der Merlion wird dies alles  mit unerschütterlicher Ruhe über sich ergehen lassen ;-). 

 

[1] https://www.nlb.gov.sg/main/article-detail?cmsuuid=f9c0fd6c-acfa-4eb0-8585-2aa155c1d74d[2]https://roadgenius.com/statistics/tourism/singapore/#:~:text=Throughout%202023%2C%20the%20average%20length,duration%20increased%20to%204.3%20days.[3] https://roadgenius-com.translate.goog/statistics/tourism/singapore/?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq[4] https://www.euromonitor.com/press/press-releases/december-2024/euromonitor-international-reveals-worlds-top-100-city-destinations-for-2024

Das hier ist der erste Text, den Leute sehen, wenn sie auf deine Webseite kommen. Hier kannst du gut einen kurzen Satz oder Slogan einfügen, der auf knackige Weise dein Unternehmen beschreibt.

Wochenthema: 

SPIEGELUNGEN

 and the winner is... 

WOCHE 61: 

SPIEGELUNGEN

Auftraggeberin: Jana Wyrsch
Veröffentlichung: 12. Januar 2025

Aktuell stecke ich in einer echten Schaffenskrise. Kein Wunder, denn Westaustralien – mit dem strahlendblauen Himmel, dem klaren Licht und der einmaligen Natur – bot mir unzählige Motive, um Fotos, in rauen Mengen zu knippsen. Doch seit Sonntag sind wir wieder in Singapur zurück, wo der Himmel milchig wirkt, am Montagmorgen der erste Platzregen auf uns nieder prasselte und alles wieder ein wenig "zu" normaler Alltag ist. Das "Easy Going",  das wir in Australien wohl etwas zu sehr praktiziert haben, rächt sich jetzt: Nach dem ersten Lauftraining am Montag melden sich meine Muskeln mit einem deftigen Kater. Dazu ist mein Nacken – nach drei Wochen Kameraschlepperei – komplett verspannt und braucht wahrscheinlich professionelle Hilfe.

Wie ihr sehen könnt, habe ich unzählige Gründe für meine Schaffenskrise – oder Entschuldigungen dafür, weshalb meine Canon nun bereits den fünften Tag in Folge unbeachtet in einer Ecke liegt und die Speicherkarte seither auch nicht mehr gefüttert wurde. Trotz allem weiss ich, dass ich am Sonntag wiederum eine Challenge veröffentlichen sollte... die Angst sitzt mir im Nacken!

Doch statt mich von dieser Angst lähmen zu lassen, entscheide ich mich bei Challengewoche 61 für ein anderes Arbeitsmodell. Statt die Kamera umzuhängen und mich ins Getümmel zu stürzen, tauche ich in mein Archiv ein – in der Hoffnung, dort Spiegelungen zu finden. Und tatsächlich: Ich muss gar nicht weit zurückgehen und stosse auf magische Aufnahmen, in denen ich Bäume verdoppelte, Tiere verdreifachte und Menschen gleichzeitig von hinten und vorne ablichtete. Selbstporträts, die mich immer noch ein wenig ratlos machen, gehören ebenso dazu. Besonders unvergesslich bleibt die Arbeit im Hotelzimmer in Osaka: Stundenlang stand ich dort am Fenster und experimentierte mit dem Spiegel. Dank dieser Zauberkraft konnte ich die Stadt vergrössern, Strassen verschwinden lassen oder sogar Luftschlösser bauen. Einfach wunderbar!

Angesteckt von den magischen Fotos packe ich meinen Spiegel in die Tasche, hänge mir meine Canon um den Hals und starte voller Motivation in mein nächstes Fotoabenteuer. Schaffenskrise? ;-) Vergessen! Jetzt freue ich mich darauf, auch in Singapur noch ein paar Luftschlösser zu bauen – und wer weiss, welche Magie sich hier noch entdecken lässt.

Wochenthema: 

BAUEN

 and the winner is... 

WOCHE 60: 

BAUEN

Auftraggeber: Noah Wyrsch
Veröffentlichung: 5. Januar 2025

Es ist Samstagmorgen, und ich habe weder meine Homepage aktualisiert noch den wöchentlichen Text geschrieben. Läuft ja super, dieses neue Jahr! Das "Easy Going", das die Aussies in ihrem gelassenen Down Under so wunderbar zelebrieren, hat mich offenbar voll erwischt. Statt produktiv zu sein, habe ich die letzten 16 Tage lieber intensiv naturwissenschaftlich geforscht. Schliesslich muss jemand herausfinden, warum Koalas mehr schlafen als Teenager, wie Termiten ihre Hochhäuser bauen und ob Kängurus im Weitsprung eine Olympiamedaille holen könnten.

Kulinarisch war ich auch fleissig. Zwischen Vegemite-Degustationen (ja, man kann das essen!) und Weinproben in charmanten Wineries habe ich sogar eine persönliche Meisterschaft im Salzwasser-Schlürfen während meiner Schnorchelausflüge ausgetragen.

Sozialstudien? Klar, auch das! Ich habe die innige Beziehung der Australier zu ihren Autos studiert (sie lieben sie fast so sehr wie ihren Grill), eine Weihnachtsfeier am Strand miterlebt (inklusive Santa Claus in Flip-Flops) und das unbeschwerte Nachtleben getestet – ausführlich. Die Folge: Jetzt sitze ich mit einem Kater vor meinem Laptop und versuche, diesem Chaos ein paar halbwegs vernünftige Sätze abzuluchsen.

Zugegeben: Bereits bei der Planung des Challenge-Themas habe ich versagt. Warum ich dachte, es wäre schlau, das Thema auf Anfang Januar zu legen, obwohl ich schon lange wusste, dass wir in Australien sein würden, bleibt mir ein Rätsel. Wäre ich in Singapur, könnte ich die unzähligen Baustellen, die dort das Stadtbild prägen, fotografieren und hätte nun bestimmt einen informativen Text über Städteplanung, Bautätigkeit und Nachhaltigkeit im Kasten – inklusive Lastwagen, Betonmischern und Kranen. 

Doch ich bin in Westaustralien, wo alle hundert Kilometer mal ein Haus steht und selbst in Perth mehr Kaffeehäuser als Bauarbeiten zu finden sind. Die Chance, hier eine Baustelle vor die Kamera zu bekommen, ist etwa so gering wie die Zahl der Ampeln im Outback.

Doch keine Sorge, ich habe improvisiert! Schon in unserer ersten Unterkunft begann ich, Türme aus allem zu bauen, was ich finden konnte. Kissen, Nachttische, Wasserkocher oder Toaster – nichts war vor meiner Experimentierfreude sicher. Marcello war wenig begeistert, als ich mich an unterschiedlichsten Gläsern versuchte… doch Wissenschaft erfordert schliesslich Opfer! Und ja, es ging auch mal etwas zu Bruch. Aber ganz nach dem Motto "Easy Going": 
Scherben bringen schliesslich Glück!

Fazit: Vielleicht bin ich aktuell nicht sehr produktiv, aber immerhin kreativ. So hat es auch Challenge-Woche 60 fristgemäss online geschafft. Ich hoffe, sie amüsiert euch!